Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 22. August 2019

Ausgabe vom 17. Februar 1998

Vom zerzausten Schandfleck zur Attraktion?

Projektgruppe Meesenplatzgestaltung und Fachbereich Stadtplanung treiben Umgestaltung voran

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Markt auf dem Meesenplatz mit Matsch, Pollern und wild parkenden Autos; Foto: Erz

"Wer auf dem Platz ist, hat den Wunsch, ihn möglichst schnell zu verlassen", so Antonius Jeiler, Leiter der Bebauungsplanung. Bausenator Dr. Volker Zahn bezeichnete den einstigen Exerzierplatz als "wildes Produkt der Nachkriegszeit", das an den Rändern "ein wenig zerzaust" sei. Das Zentrum Marlis und Brandenbaums, da waren sich die Vertreter des Fachbereichs Stadtplanung und der Projektgruppe Meesenplatzgestaltung einig, sei ein 30 000 Quadratmeter großer Schandfleck. Doch der soll nun bald zum attraktiven Mittelpunkt der Ortsteile werden.

212 Vorschläge bei Ideenbörse

Die Projektgruppe besteht aus Vertretern der St. Thomas-Gemeinde, der Polizei, privater und städtischer Träger von Sozialarbeit und des SPD-Ortsvereins. Sprecherin Conja Grau überreichte Zahn die fünf besten Vorschläge zur Umgestaltung des Platzes, die bei einer Ideenbörse im Sommer erstellt worden waren. Diese dienen als Grundlage für Entwürfe, die jetzt ein Planungsbüro nebst Kosteneinschätzung erarbeiten soll. Denn laut Bürgerschaftsbeschluß vom Januar soll bis zur Aprilsitzung ein Vorschlag zur Neugestaltung des Platzes vorgelegt werden.

212 Stadtteilbewohner nahmen an der zeitintensiven Fragebogen-Aktion teil, und kleine Kunstwerke entstanden, als sie ihre Vorstellungen von ihrem Traum-Platz skizzierten. Kinder hatten vor allem Visionen von Rutschen, Pferdekoppeln, Skate-Bahnen und Freibädern. Ganz oben auf der Hitliste standen eher pragmatischere Dinge. So wünschten sich 85 Prozent der Einsender Grünflächen, 75 Prozent einen Wochenmarkt, 72 Prozent Stellplätze und 60 Prozent eine Fläche für Altglas- und Altpapiercontainer. Einen Park mit Sitzmöglichkeiten wünschten sich 58 Prozent, einen Spiel- und Bolzplatz 43 Prozent.

Zahn gab zu bedenken, daß es für den Platz bereits allerhand Vorgaben gebe. Der erste Baustein sei der Plaza-Markt. Viele der rund 42 000 Bürger im Fünf-Kilometer-Umkreis seien Kunden. Er bietet zwar Parkmöglichkeiten im ersten Geschoß. Dennoch müsse es weitere Parklätze geben. Derzeit parken Autofahrer, wo gerade ein Plätzchen frei ist und nicht einer der zahlreichen Poller im Wege ist, die wie Spargel im Frühjahr aus dem Platz zu schießen scheinen. Die Parkerei soll bald in geordnetere Bahnen geleitet werden.

Der Wochenmarkt, für den montags und donnerstags die Stände aufgebaut werden, soll bestehen bleiben, zumal diese Fläche auch für Schützenfeste und andere Aktivitäten genutzt werden kann. Die Papier- und Glas-Container, so die Vorstellung von Projektgruppe und Fachbereich Stadtplanung, sollen durch eine Hecke oder einen Zaun abgegrenzt werden.

Verkehrsübungsplatz versetzen

Der Verkehrsübungsplatz, das haben die Benutzer bereits signalisiert, kann versetzt werden. Rund ein Drittel der 30 000 Quadratmeter-Fläche, so Zahn, werde vermutlich Grünfläche werden. Die Umgestaltung des Platzes erfordere Zeit und Geld. Doch wenn zur Jahresmitte die Bürgerschaft einem Konzept ihre Zustimmung erteilt habe, könne dieses in kleinen Schritten bis zur Jahrtausendwende umgesetzt werden. Einen Grundstock von 15 000 Mark zur Finanzierung des Projekts gibt es bereits, denn Plaza-Warenhausleiter Dirk Mund hat den Erlös aus dem Sommerfest für die Meesenplatzgestaltung gespendet.

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