Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 01. Dezember 2009

Modellhütten spalten die Generationen

Entwürfe der künftigen Weihnachtsbuden befremden und begeistern zugleich

Bis zum 24. Dezember können die Besucher des Weihnachtsmarktes abstimmen, wie die künftige Lübeck-Hütte aussehen soll. Sie haben die Wahl zwischen drei Buden, die in der unteren Breiten Straße nebeneinander aufgebaut sind. Die Gewinner-Hütte wird dann ab 2010 den Weihnachtsmarkt prägen - die Handelsbuden werden nach ihrem Design aufgebaut. Ausgenommen sind die gastronomischen Verkaufsstände; sie behalten ihr bisheriges Aussehen.

Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, Lübeck- und Travemünde Tourismus-Chefin Andrea Gastager, Prof. Dr.-Ing. Joachim Heisel von der Fachhochschule und Rainer Steffens vom ArchitekturForumLübeck e. V. eröffneten die Abstimmung am 24. November. Die drei Modellhütten wurden im LTM-Designwettbewerb aus über 30 Arbeiten ausgewählt. "Ich bin begeistert von dem Wettbewerb und warte nur darauf, dass Hamburg und andere Städte unserem Vorbild folgen", so Schopenhauer. Sie sei am Anfang skeptisch gewesen, ob der Wettbewerb und der Aufbau der Hütten zeitlich realisierbar sei - doch alles habe gut geklappt, auch dank der Sponsoren. Joachim Heisel zeigt sich erfreut, dass die Entwürfe eins zu eins in den Modellen umgesetzt wurden. Und: "Wir haben die richtige Wahl getroffen. Es sind drei kleine Schmuckkästchen". Die Jury habe bei der Auswahl wert auf einfache Grundformen gelegt, damit sie sich in das Stadtgefüge eingliedern, ergänzt Heisel. Rainer Steffens ist begeistert über die Entwürfe der "jungen Generation". Die drei Siegerentwürfe des Designwettbewerbs sind Arbeiten von Niklas Jessen, Dipl. Ing. Arch. David Jürgens und B. A. of Art Architektur Sascha Orlowski.

So einhellig das Lob von Jury und Verantwortlichen, so finster sind einige Reaktionen der Passanten: "Die sehen scheußlich aus", meint beispielsweise der achtzigjährige Karl-Heinz Löding. "Warum muss alles neu gemacht werden, wenn die alten Buden doch jahrzehntelang gut waren?", fragt er. Einen anderen Passanten quält die Frage, warum mit aller Gewalt Modernität in den Weihnachtsmarkt gebracht werden müsse. Die Stadtpräsidentin weiß darauf ein Antwort: "Wir bauen heute auch keine Giebelhäuser mehr wie im Mittelalter. Der Bürgermeister kleidet sich anders als ein Bürgermeister damals. Lübeck darf kein Inselmuseum werden", verteidigt sie die modernen Modell-Hütten.

Dem stimmt das Ehepaar Hildegard und Klaus John (69 und 72) zu: "Wir finden die Buden schön. Wenn alles so durcheinander ist, sieht das doch fürchterlich auch". Am schönsten finden sie den Entwurf von David Jürgens, da er zusätzlich an einer Seite offen ist. "Man kann bei Neuerungen nicht immer nur meckern, sondern sollte auch das Positive sehen", sagt Klaus John vehement. Dass die Modell-Hütten positiv seien, findet zudem BfL-Bürgerschaftsmitglied und stellvertretender LTM-Aufsichtsratsvorsitzender Bruno Böhm: "Wir haben alles richtig gemacht. In Hamburg schauen sie schon nach Lübeck und sind gespannt auf das Wettbewerbsergebnis - um es uns dann vielleicht gleichzutun". Auch Marga Mischede, Verkäuferin in der Modellhütte von David Jürgens, findet die Buden schön. Ihre Erfahrung bisher: "Die ältere Generation regt sich über die Entwürfe auf, sind sogar unhöflich zu mir. Die jungen Leuten hingegen nehmen die Hütten an".

Zusätzlich zu den Wettbewerbs-Buden haben auch die Schausteller ihre "eigene" Variante aufgestellt. msn

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