Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 13. Februar 2001

Kein Anflug von Selbstkritik

Zu:"Begleitmaßnahmen zu Dantons Tod". SZ vom 30. Januar

Die Einführungsveranstaltungen zu "Dantons Tod" und die Möglichkeit zur Diskus-
sion mit den Schauspielern nach den Vorstellungen sind sicher lobenswerte Aktionen, auch wenn ich sie angesichts dieser Inszenierung für wenig erfolgversprechend halte. Ich bin immer aufgeschlossen für moderne Klassikeraufführungen, doch "Dantons Tod" hat mich weder formalästhetisch noch schauspielerisch überzeugt, weder intellektuell noch emotional angesprochen.

Aber die Reaktionen des Theaters nach dem Danton-Debakel haben mich fast noch mehr verärgert als die Aufführung selbst. Denn das Niveau eines Theaters kommt auch darin zum Ausdruck, wie man mit Kritik umgeht. Statt auch nur die geringsten Anflüge einer selbstkritischen Reflexion zu zeigen, betreiben derIntendant und das "Danton"-Ensemble nur Augenwischerei und Schöngerede der peinlichsten Art.

Wirklich fassungslos war ich jedoch über die Aussagen des Oberspielleiters, er sei "mit der Premiere sehr zufrieden" und denke, "wir haben etwas für Büchner getan." Zu den Publikumsreaktionen bei der Premiere meint er, es "wäre nie ein Künstler weit gekommen, wenn er sich um jede Meinung scheren würde." Es ist schon erstaunlich, daß Herr Göber auch angesichts der überwältigend negativen Zuschauer- und Kritikerreaktionen die eigene Regiearbeit nicht im mindestens kritisch hinterfragt.

Den

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