Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. April 2019

Ausgabe vom 27. März 2001

Eine Idee von gestern

Bürgerschaft:CDU für wirtschaftliche Nutzung des Kanzleigebäudes

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Das Kanzleigebäude als Geschäftshaus?; Foto: T. Wewer/Montage: SZ

Im Februar wurde die Dringlichkeit abgelehnt, deshalb wird der Antrag der CDU-Bürgerschaftsfraktion erst am kommenden Donnerstag behandelt:Das Kanzleigebäude in der Breiten Straße soll "einer interessanten wirtschaftlichen Nutzung" zugeführt werden. Und die sieht nach den Vorstellungen der Christdemokraten so aus: kleinteilige Ladenflächen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kaufhaus "Karstadt".

Mit diesem Antrag greift die CDU-Fraktion einen Gedanken von Bürgermeister Bernd Saxe auf, den dieser vor einigen Monaten im Rahmen eines Gesprächs mit Lübecker Pressevertretern geäußert hatte. Indes:Die Idee ist nicht neu. Laut Dr. Horst Siewert, dem Leiter des Bereichs Denkmalpflege, hat es in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten immer mal wieder Überlegungen gegeben, das Kanzleigebäude für Geschäfte zu öffnen. Nur sei man regelmäßig "nach sorgfältiger Prüfung" zu dem Ergebnis gekommen, daß diese Idee nicht zu realisieren sei. Denn das Haus steht unter Denkmalschutz und kann daher nur unter bestimmten Auflagen genutzt werden. Außerdem würden bei einem Umbau vermutlich statische Probleme auftreten.

Die CDU-Fraktion sieht ihren Vorschlag als "flankierende Maßnahme zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt". Damit könne dem "negativen Ruf" entgegengewirkt werden, "den die Innenstadt im Augenblick wegen der vielen Ladenleerstände genießt", heißt es in dem Antrag.

Doch ob mit einer völligen oder teilweisen Umgestaltung des Kanzleigebäudes in ein Geschäftshaus das Problem der Ladenleerstände in der Altstadt gelöst werden kann, bleibt strittig. Bereits in der Februar-Sitzung der Bürgerschaft hatte Frank-Thomas Gaulin für die SPD-Fraktion erklärt, daß der Ladenleerstand insbesondere auf hohe Mieten zurückzuführen sei. Diese könnten oft nur noch von großen Kaufhausketten oder Filialen bezahlt werden. Das aber führe insgesamt zu einer "Verflachung des Angebots", so Gaulin , der selbst ein Geschäft in der Altstadt besitzt.

Dieses Argument zuende gedacht bedeutet, daß im Kanzleigebäude keine "kleinteiligen Ladenflächen" entstehen, wie von der CDU angedacht, sondern eher ein (weiterer)Sonderpostenmarkt?

Das Kanzleigebäude, das mit einem Schwibbogengang mit dem Rathaus verbunden ist, wurde zwischen 1480 und 1485 errichtet und 1588 und 1614 verlängert. Heute befinden sich in dem Gebäude das Frauenbüro, die Räume der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, ein Konferenzsaal, die Tourist-Information und die Bürgerinformation sowie der Bereich Presse- und

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