Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 27. März 2001

Dem Priwall droht Zerstörung statt Entwicklung

Autorin: Christine Vogt-Müller

Bündnis 90 / Die Grünen

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V.i.S.d.P.: Carl Howe

Der Priwall braucht Entwicklung, darüber gibt es keinen Zweifel. Ein marodes Kurhaus, unschöne Kiosk-Kultur, leer stehende Gebäude. Die Halbinsel hat ein frisches Outfit nötig. Aber wohin soll die Entwicklung gehen?

Sicher nicht in die von der Hansestadt Lübeck und der Sar-con-Gruppe favorisierte Richtung. Deren geplantes Ferienzentrum mit 2000 Betten und einer Marina mit 250 Liegeplätzen, mit drei großen Sport- und Freizeithallen sowie 950 Parkplätzen würde die in Schleswig-Holstein einmalige Küstenlandschaft völlig zerstören. Die Bürgerinitiative "Rettet den Priwall", der sich bereits rund 200 Personen angeschlossen haben, lehnt dieses Konzept ab. Statt dessen fordern wir die Entwicklung eines städtebaulichen Rahmenplanes für den Priwall, bei dem der vollständige Erhalt von Strand, Düne und Wald garantiert ist. Der Priwall als lebenswerter Wohnort für die Einheimischen und als Naherholungsgebiet für die Lübecker und andere Gäste muß erhalten
bleiben.

Der Eingriff in die Natur und die gewachsenen Strukturen des Priwalls wäre schwerwiegend: Für den Bau des Dünendorfes mit 100 Wohnungen müßten die geschützten Dünen betoniert und der Wald gerodet werden. Das "Hafendorf" (200 Wohneinheiten, zweigeschossig) mit Marina für 250 Yachten soll mitten auf dem Priwallstrand entstehen. Hier soll eine einmalige Dünenlandschaft zerstört werden, die andernorts, wie in Ahrenshoop, als touristisches Kleinod gilt. Der "öffentliche Strand" soll in die Bucht zwischen Südermole und Marina verlegt werden. Wegen der gefährlichen Strömungen, verursacht von den Skandinavien-Fähren, ist Baden dort lebensgefährlich und deshalb verboten! Außerdem fehlen Verkehrsanalyse und -planung. Während der Saison würde sich die Zahl der Bewohner von jetzt 1596 mehr als verdoppeln. Das Verkehrschaos ist programmiert.

Lübeck hat sich der Agenda 21 verpflichtet. Wir fordern die Umsetzung des Bürgerschaftsbeschlusses vom Januar 2001, Projekte zu prüfen, ob sie den Zielen der Lokalen Agenda 21 entsprechen. Das vorgelegte Konzept widerspricht in krasser Weise den Agenda-Richtlinien.

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