Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 25. April 2019

Ausgabe vom 05. Juni 2001

Kinderleicht zu begreifen

Eine Grundschule macht Erfahrungen mit der Energie der Sonne

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Schülerinnen der Grundschule Niendorf experimentieren mit der thermischen Solaranlage, die die Schule bei einem Wettbewerb gewonnen hat.; Foto: privat

"Faß da mal an!", meint Laura. Arne zuckt zurück und vier Mädchen der 3. Klasse lachen. Das Rohr am Ende des Kollektors ist wirklich verflixt heiß. Soll es auch sein, denn damit wird anschaulich dargestellt, wie mit Sonnenenergie Wasser erwärmt wird. Die Schule Niendorf erhielt als einzige Grundschule Lübecks eine von zwölf "Phönix-Mini"-Anlagen, mit der die Funk-
tionsweise einer Solarthermieanlage dargestellt wird.

Die Anlage war der Preis eines Wettbewerbs des Lübecker EnergieTisches, bei dem die besten Konzepte zur Nutzung der Anlage prämiert wurden. "Ich habe die Erfahrung machen dürfen, daß ein solches Demonstrationsgerät goldrichtig für die Grundschule ist", erklärt Eckhard Mawick, Rektor der Schule. Beweis dafür ist auch, daß alle Kinder den Vorgang in der Anlage erklären können.

Das Prinzip der Phönix-Mini kann im Wortsinn "begriffen" werden. Jedes Grundschulkind kann fühlen, wo erwärmtes oder gar recht heißes Wasser aus dem Kollektor kommt. Man kann durch den Temperaturunterschied auch ohne das mitgelieferte Thermometer wahrnehmen, daß die Wärme im Wärmetauscher an das Brauchwasser abgegeben wurde. "Wenn dann ein Liter Brauchwasser binnen 45 Minuten von acht Grad auf über 60 Grad Celsius (!) bei Herbstsonne aufgeheizt wird, staunen sowohl optimistische wie auch pessimistische erwachsene Betrachter."

Energienutzer von morgen

Für die Schule und die Erstbegegnung mit dem zukunfts- trächtigen Feld der Solarenergienutzung ist die Anschaulichkeit und das einfache Prinzip genau richtig. "Tatsächlich sind die Schulkinder von heute ja die Energienutzer von morgen. Deshalb sollten wir unsere Nachkommen frühzeitig mit den sinnvollen und ungefährlichen Energiequellen vertraut machen", denkt Mawick an die Zukunft. Wenn ein Umdenken Raum greifen soll, muß die heutige Schülergeneration ein "Solarselbstverständnis" bekommen. In jedem Fall kann ein Projekt Schulkinder begeistern, wenn es so anschaulich unterstützt wird wie mit dieser Modellanlage.

"Meine visionäre Planung besteht im elternunterstützten Bau einer echten Anlage, die dann das Brauchwasser in der Schulküche aufheizen soll. So können die Kinder an einem praktischen Beispiel in ihrer Schulumgebung den Nutzen einer Solaranlage erleben", erklärt Mawick seine Pläne und denkt weiter: "Wenn die Kinder, so informiert, als Häuslebauer später keine Kollektoren einbauen, ist ihnen auch nicht mehr zu helfen." Und schließt etwas nachdenklich: "Mächtige Herausforderungen harren unser - erklären wir's gerade noch rechtzeitig unseren Kindern."

IM GESPR

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