Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 23. März 2019

Ausgabe vom 03. Juli 2001

Für die Gemeinschaft gepinselt

"Soziale Stadt": Raum in der Stargardstraße haben Jugendliche renoviert

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Victoria verpaßt den letzten Schliff. Foto: N.Neubauer

Kaum zu glauben: Der Gemeinschaftsraum in der Stargardstraße 19 in St. Lorenz lag in den vergangenen 20 Jahren brach. Keiner, der die 60 Quadratmeter samt fast komplett eingerichteter Küche nutzte. Nun haben ihn die Bewohner der Straße in Beschlag genommen - dank der Jugendlichen, die ihn renoviert haben. Yessica und Victoria verpassen dem Raum an diesem Tag den letzten Schliff und streichen die Außenfassade . Der Muff der brachliegenden Jahre ist damit endgültig ausgetrieben aus den vier Wänden.

Die beiden Mädchen, 21 und 17 Jahre alt, sind zwei der vier Jugendlichen, die den Raum von einem eher dunklen Loch in einen hellen freundlichen Raum verwandelten. Sie sind Teilnehmerinnen des Freiwilligen Sozialen Trainingsjahres (FSTJ) und renovierten die Wände unter Anleitung eines Ausbilders. Das FSTJist ein Angebot des Internationalen Bundes, das Jugendlichen die Möglichkeit bietet, sich beruflich zu qualifi-
zieren und Arbeit im Stadtteil zu leisten. Die Teilnehmer können etwa Computerkurse belegen, Schulabschlüsse vorbereiten oder wie Yessica und Victoria in Stadtteilprojekten, wie es in St. Lorenz die "Soziale Stadt" ist, arbeiten.

"Das macht voll Spaß, ein bißchen Musik, ein paar nette Leute - klasse ist das", sagt Victoria. Seit Oktober mischt sie in der Stargardstraße mit. Nicht täglich, denn die junge Frau, die nach einer abgebrochenen Tischler-Lehre nicht wußte, was sie beruflich machen will, hat, um ein klareres Bild zu bekommen, zwischendurch diverse Praktika absolviert. Handwerklich begabt schwingt sie den Pinsel, von einem Armschwung zum nächsten verschwindet das Grau der Fassade hinter dem Beige.

Yessica, Victoria und die anderen vom FSTJ haben die Arbeit gemacht, das Geld fürs Renovieren und Einrichten des Raums hat die Trave springen lassen. Rund 15 000 Mark hat die Wohnungsbaugesellschaft investiert und die Kosten vom Pinsel über Tisch und Stuhl bis hin zu Herd und Kühlschrank übernommen.

Daß der Gemeinschaftsraum überhaupt existiert, war vergessen. Erst nach einer Mieterbefragung der Trave im Februar, bei der sich herausstellte, daß sich die Mieter ein Zimmer für gemeinsame Aktionen wünschen, erinnerte man sich der Existenz dieses Raumes.

Victoria und Yessica haben eine Menge gelernt, und die Mieter der Stargardstraße - das sind bei 140 Mietwohnungen rund 500 - haben einen Gemeinschaftsraum, in dem sie sich treffen können.

Am Mittwoch, 4. Juli, 19 Uhr, findet in St. Lorenz im Stadtteilbüro, Dornestraße 62a, eine Stadtteilkonferenz statt.

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