Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 07. August 2001

Neue Sterne für Travemünde

Casino wird Luxus-Hotel - Hamburger investieren 38 Millionen Mark

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Schlüsselübergabe: Gunter Preußker, Wolfgang Halbedel und Willi Peters; Foto: M. Langentepe

Das Casino in Lübecks "schönster Tochter" Travemünde hat seit Anfang August neue Besitzer: Die Hansestadt Lübeck, Eigentümerin des 1913 /14 als städtischer Kursaal errichteten Ge- bäudes, übergab das denkmalge- schützte Haus am Dienstag vergangener Woche an die Investorengruppe um den Hamburger Hotelier Gunter Preußker.

Die Investorengemeinschaft "Grundstücksgesellschaft Casino Travemünde mbH & Co. KG" setzt sich aus sieben Hamburger Kaufleuten, unter anderem Preußker (Hotelgruppe Jahreszeiten), Willi Peters und Jochen Rühe sowie der Holstenbrauerei AG (fünf Prozent Anteile) als weiterem Partner zusammen.

Zur TW2002 fertig

Sie wollen rund 38 Millionen Mark in das Gebäude stecken, um es bereits ab der kommenden Saison als 5-Sterne-Hotel zu betreiben: Noch in diesem Monat wird die Baugenehmigung erwartet; die Bauzeit selbst schätzen die Investoren auf rund zehn Monate. "Die Highlights des nächsten Jahres, die 113. Travemünde Woche und die Feierlichkeiten anläßlich des 200-Jahr-Jubiläums des Seebades, wollen wir natürlich mitnehmen", sagte der erst 31jährige Jurist Preußker.

Das Grundstück bleibt zu- nächst im Eigentum der Hansestadt Lübeck. Die Investoren zahlen dafür einen Erbbauzins von 510 000 Mark pro Jahr. Vereinbart ist zudem, daß der Grund und Boden nach (frühestens) fünf Jahren verkauft werden kann. "8,5 Millionen Mark will die Stadt dafür haben", verriet Peters, Sprecher der Investorengruppe. Die Vertreter der Stadtverwaltung hätten die Investoren bei den Verhandlungen als faire aber harte Partner erlebt.

Die auch den Interessenten bekannten Rückschläge vor Augen - vor der jetzt erfolgreichen Übergabe scheiterten Pläne mit der Hamburger Primarc Developments GmbH, der Hamburger Immobilien Kantor GmbH & Co. (IKH) und den Lübecker Kaufleuten Kayser - ließen sich die Investoren auf eine besondere "vertrauensbildende Maßnahme" ein: Als "Morgengabe" (Peters) wurde vereinbart, den Erbbauzins auf einen Schlag für fünf Jahre im voraus zu zahlen.

Lübecks Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel, am Tag der Übergabe übrigens genau ein Jahr im Amt, sagte denn auch: "Die Hansestadt Lübeck verabschiedet sich heute - auch mit Wehmut - von ihrem Gebäude an schönster Stelle. Doch Lübeck wäre angesichts der Haushaltslage nicht in der Lage, dieses denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren und zu finanzieren. Deshalb ist das heute ein schöner Tag für Lübeck."

Die Übergabe zeige zugleich, daß die bereits vor einem Jahr getroffene Entscheidung zwar mutig aber richtig gewesen sei. Trotz der Wirrnisse, Hinderungen und politischen Stürme habe Preußker dabei sein Ziel nicht aus den Augen verloren, sondern es im Gegenteil mit "riesen Elan verfolgt", lobte Halb- edel. Besonderen Dank sprach der Senator dabei den Fraktionen von SPD und Grünen aus, die "nie Zweifel an der getroffenen Auswahl gehabt hätten". Eine deutliche Spitze gegen die eigene Partei (CDU), die Halbedel in diesem Zusammenhang nicht einmal namentlich erwähnte. Zur Erinnerung: Die CDU wollte eigentlich Hermann Junghans zum Wirtschaftssenator wählen, mußte dann aber miterleben, daß ihr Wunschkandidat mit der rot-grünen Stimmenmehrheit ausgehebelt wurde und stattdessen Halbedel ins Amt kam.

Das Hotel, das später über eine Betreibergesellschaft gemanagt wird, zu der auch Deutschlands größte Brauerei (Holsten) gehört, wird 73 Zimmer mit 150 Betten haben. Die Gäste können zwischen kulinarischen Köstlichkeiten aus drei unterschiedlichen Restaurants - Stichwort Fisch- und hochwertige regionale Küche - wählen und im großen Wellness-Bereich entspannen. Preußker betonte, daß sowohl Touristen als auch "Einheimische" dabei trotz des noblen 5-Sterne-Ambientes keine Hemmschwelle überwinden müßten, wenn sie Hotelangebote nutzen wollten.

Auch sonst möchte das "Haus, wie es in Norddeutschland bisher keines gibt", wie Preußker verspricht, neuen Wind nach Travemünde bringen: "Wir wollen das Hotel zum neuen Anlaufpunkt im Seebad machen und auch Großveranstaltungen, wie etwa den Presseball dort veranstalten." Raum genug wäre: Unter Einbeziehung der geplanten Konferenz- und Gesellschaftsräume finden rund 1500 Gäste dort Platz.

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