Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 07. August 2001

Bad soll an Nordermole entstehen

Wem gehört angeschwemmtes Land? - Darf auf Strand gebaut werden?

1880302.jpg
Das neue Bad soll auf dem Strand gebaut werden; Foto: N. Neubauer

In der Sonne am Strand liegen, sich rekeln, in die Lübecker Bucht gucken, sich umdrehen und - von der Passat sind gerade mal die Mastspitzen zu sehen. Ein Schwimmbad, direkt an der Nordermole gebaut , verdeckt das Wahrzeichen Lübecks.

Dieser fiktive Blick könnte in wenigen Jahren Realität sein. Bei der Nordermole vor dem Aqua Top in Travemünde soll ein neues Schwimmbad entstehen. Das wünschen sich die Mitglieder des Sonderausschusses Aqua Top, die in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen haben, die Verwaltung zu beauftragen, einen europaweiten Wettbewerb vorzubereiten. Der Ausschreibungstext soll im September der Bürgerschaft zur Abstimmung vorliegen.

"Auch mit einem Bad auf der Nordermole wird man einen schönen Blick auf die Travemündung und die Passat haben", ist sich Rudolf Lichtenhagen sicher, SPD-Bürgerschaftsmitglied und Vorsitzender des Sonderausschusses. Der Standort sei optimal und werde das Ostseeheilbad attraktiver machen. "Bade- und Saunagäste hätten einen direkten Zugang zur Ostsee." Lichtenhagen stellt sich den Komplex aus Glas vor, so daß man die Passat weiterhin sehen könne.

1966 bekam Travemünde ein Thermalbad, acht Jahre später wurde es erweitert. Das Schwimmbad-Zentrum, so der damalige Name, ist von 1989 bis 1991 zum Aqua Top umgebaut worden. Das Aqua Top gilt heute als marode und vor allem als unwirtschaftlich. Die Hamburger Firma Wenzel hatte im vergangenen Jahr ein Gutachten erstellt, aus dem hervorgeht, daß ein Neubau 43 Millionen und eine Sanierung des Aqua Top rund 27 Millionen Mark kosten würde. Der Sonderausschuß, der sich seit Herbst des vergangenen Jahres mit dem Aqua Top beschäftigt, favorisiert einen Neubau.

Die Fläche ist noch nicht festgelegt. "Wir wollen erst einmal sehen, wer sich für das Gebiet interessiert. Alles weitere klären wir mit dem Investor", sagt Annekatrin Lorenzen, stellvertretende Leiterin des Bereichs Stadtentwicklung.

Aus dem vorläufigen Ausschreibungstext geht hervor, daß im neuen Bad Vereins- und Schulsport möglich sein soll. Zudem soll der Weg zum Leuchtturm weiterhin öffentlich bleiben. "Als Bonbon", wie es Lichtenhagen ausdrückt, soll der potentielle Investor das Areal des alten Aqua Tops bekommen, um dort Gastrobetriebe und Boutiquen zu errichten. "Verluste des Schwimmbades können so kompensiert werden", so Lichtenhagen.

Allerdings hat der Standort Nordermole einige Haken: In den vergangenen Jahrzehnten ist eine erhebliche Menge Sand angeschwemmt worden. "Für 20 105 Quadratmeter ist der Eigentümer bisher nicht ermittelt", sagt Bernd Kirschner, der bis vor wenigen Tagen als Leiter des Bereichs Liegenschaften mit der Sache betraut war. Die Frage, wer Ansprüche auf das Niemandsland bei der Nordermole anmelden darf, der Bund, das Land oder die Kommune, wird in den kommenden Tagen das Rechtsamt beschäftigen.

Kritik von Architekten

Ist der Eigentümer ermittelt, heißt das noch nicht, daß das Gebiet bebaut werden darf. "Nach Paragraph 11 des Landesnaturschutzgesetzes darf auf einem 100-Meter-Streifen von der Meeresküste in der Regel nicht gebaut werden", sagt Frank Lammert, Leiter des Bereichs Naturschutz.

Bedenken hat auch das Architekturforum. "Der Ideenwettbewerb von 1997 hat ergeben, daß dieser Bereich nicht bebaut werden darf. Es ist mir ein Rätsel, warum sich Politiker nicht an solche teuren Wettbewerbe halten", sagt Klaus Petersen, Vorsitzender des Forums. In einer Stellungnahme heißt es zudem, daß es sich wegen des Panoramablicks in die Lübecker Bucht um eine einmalige Stelle handle. Die Standortfrage dürfe nicht allein von einem Laienausschuß geklärt werden, sondern müsse einem fachkompetenten Gremium übergeben werden. "Wo kommen wir denn dahin, wenn wir auf Strand bauen. Der nächste setzt sein Café ins Wasser", warnt Petersen.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de