Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 07. August 2001

Adams Mut wenig honoriert

Theater: Einbußen in der letzten Saison - Perspektiven für 2001/2002

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Beliebte Mitglieder des Lübecker Opernensembles: Chantal Mathias und Tomasz Konieczny (hier in "Cendrillon").; Foto: TL

Lübecks neuer Generalintendant Marc Adam hat seine Erfahrungen in der ersten Saison gemacht und sie dem Aufsichtsrat der Theater Lübeck GmbH vorgelegt: In der Spielzeit 2000/2001 verzeichnete er einen Rückgang von rund 20 Prozent, was einem Minus von etwa 40 000 Besuchern entspricht. Vor allem auch die heftig umstrittenen Inszenierungen von Schauspiel-Oberspiel-
leiter Reinhard Göber haben dabei zu Buche geschlagen - und zum Verlust von tausend Abonnenten geführt.

Am Defizit von einer Million Mark ist auch das Musiktheater beteiligt, da das Publikum Adams Mut zu Novitäten auf dem Spielplan nicht entsprechend honorierte - obwohl den Opern-aufführungen auch überregional hohe Qualität bescheinigt wurde. In die unerwartet hohe Verlustzone haben auch die Tarifabschlüsse von 2,3 Prozent geführt, wo ein Prozent erwartet wurde. Zudem hatten die Geschäftsführer Marc Adam und Peter Skrock einen Minus-Vortrag aus der letzten Spielzeit (1999/2000) von Generalintendant von Oertzen übernommen.

Aufgeschlossenheit

Dietrich von Oertzen hatte nach seinem Amtsantritt ebenfalls einen Publikums-Rückgang hinnehmen müssen: Es hat den Anschein, als ob bei jedem Leitungswechsel im Theater das traditionsbewußte Publikum sich erst mit dem Neuen vertraut machen - und wiedergewonnen werden muß. Katja Tollgreve, Vorsitzende der Gesellschaft der Theaterfreunde Lübeck (GTL), appelliert denn auch einerseits an die Treue zum heimischen Theater und zum anderen an die Aufgeschlossenheit von Jung und Alt, sich veränderten Sicht- und Interpretationsweisen zu stellen.

Generalintendant Adam will, wie er der SZ gegenüber erläuterte, in der nächsten Saison seinen "Kurs weiterfahren, man steuert aber eine zweite Spielzeit etwas anders, wenn man eine Stadt besser kennt". Dabei will er die Lübecker weiter mit auf Entdeckungen nehmen (wie ja die Vorhaben in Großem Haus und Kammerspielen es ausweisen).

Drei-Jahres-Plan

Zur Erkenntnis "Die erste Saison war eine kulturelle Umstellung" des Elsässers Adam führte die Bilanz aller Aktivitäten in der vergangenen Saison: 140 Vorstellungen im Musiktheater, 150 im Schauspiel, 37 für das Märchen, 64 Studio- und Salon-Abende sowie insgesamt 37 Konzerte.

Ausgleichen soll - laut Aufsichtsrats-Beschluß - der Generalintendant das aufgelaufene Minus im Rahmen eines Drei-Jahres-Plans. Adam will hierfür die Produktionskosten senken und zusätzliche Produktionen ins Programm nehmen:

Im Großen Haus ist es eine Revue mit dem bezeichnenden Titel "Money makes the world go around", im Schauspiel sind es eine Uraufführung "Tilt" und die Komödie "Quartett" von Ronald Harwood, mit der der bekannte Schauspieler Gerhard Olschewski hier seinen Einstand als Regisseur gibt.

Oberspielleiter Reinhard Göber wird nur zweimal inszenieren: die Uraufführung "Marius & Jeannette" zum Auftakt und Shakespeares "Sommernachtstraum" im März.

Nicht provinziell

Der Generalintendant wird selbst nicht Regie führen: "Ich habe genug zu tun." Und er fügt hinzu: "Wir machen kein provinzielles Theater, sondern Theater in der Provinz - und von diesem Standpunkt aus kann man sehr viel machen." Das ist ihm in der vergangenen Saison vielfach gelungen.

Das neue Spielzeit-Heft 2001/2002 ist - nach drucktechnischen Verzögerungen - seit drei Wochen erhältlich. Es verzeichnet neben dem Spielplan auch die personellen Veränderungen. Darunter sind "vier Schlüsselpositionen" für den Chef des Hauses an der Beckergrube:

Mit Andreas Meyer-Delius kommt der Technische Direktor des Schauspielhauses Frankfurt/Main an dieselbe Stelle in Lübeck. Als Chefdisponentin wechselt Helene von Orlowsky (Ehefrau von Regie-Professor Didier von Orlowsky an der Musikhochschule) von Pforzheim in die Hansestadt. Für die kurzfristig nach Wuppertal als Kapellmeisterin und Chordirektorin engagierte Gabriele Pott konnte Joseph Feigl als neuer Chordirektor (bisher stellvertretender am Nationaltheater Mannheim) verpflichtet werden. Und Silke Oberschachtsiek, zuletzt im Hotelfach in Berlin, soll den Bereich Marketing/

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