Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 07. August 2001

Eine höchst positive Bilanz

Halbzeit beim Schleswig-Holstein Musik Festival in Lübeck

Vier der acht Wochen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) sind um. Zur Halbzeit kann in Lübeck eine höchst positive Bilanz gezogen werden. Fünf der sechs Konzerte waren ausverkauft und boten wie das sechste, das Nachtkonzert des NDR-Chors, hohe Qualität. Im Dom wurde die Aufführung von Joseph Haydns "Die Schöpfung" zum Oratorien-Ereignis: Was Thomas Hengelbrock mit seinem Balthasar-Neumann-Chor und -Orchester sowie superben Sängern an dramatischer Ausformung vorstellte, ward in der Hansestadt so noch nicht gehört.

In der MuK hatte Altmeister Günter Wand mit den NDR-Sinfonikern zweimal ein volles Haus. Die "Unvollendeten" - Schuberts 7. und Bruckners 9. Sinfonie - erklangen zum SHMF-Auftakt mit einer Stringenz, die kaum "Jenseitiges" hören ließ: Maestro Wand schien mit seiner Interpretation eher das irdische Leben bannen zu wollen.

Welche Kraft und Melodik in der Musik von Jean Sibelius steckt, bewies sein finnischer Landsmann Esa-Pekka Salonen. Dieser feinnervige Dirigent übersteuerte zwar "Finlandia" und überließ im Violinkonzert mit dem tüfteligen Geiger Gidon Kremer nichts dem Zufall. Doch mit der stets vorandrängenden 5. Sinfonie aus einem Guß zeigte der Stardirigent seine Klasse ebenso wie das durch ihn hochmotivierte Festival-Orchester mit jungen Musikern aus aller Welt. Ebenfalls junge Musiker beeindruckten beim Festkonzert der Meisterkurse in der Musikhochschule.

In der großen Verdi-Gala zum 100. Todestag des Operngenies legten Dirigent Marcello Viotti, das Münchner Rundfunkorchester, mehr noch Miriam Gauci mit ihrem warmen Sopran und der eingesprungene walisische Tenor Dennis O'Neill alle Ehre ein für blutvolles Musiktheater vor einem wieder restlos begeisterten Publikum.

Es geht weiter am 8. August mit dem City of Birmingham Orchestra unter Sakari Oramo und dem Pianisten Olli Mustonen (Lindberg, Grieg, Sibelius).

Ein höchst interessanter Abend am Mittwoch, 15. August, im Theater unter dem Motto "Meine Toten schweigen tief" setzt Musik in Beziehung mit Literatur: Die Sinfonietta Cracovia unter John Axelrod spielt Werke für Streichorchester von Haas (Studie), Klein (Partita), Schostakowitsch (Kammersinfonie op.110a), Penderecki (Sinfonietta) und Kernis (Musica Celestis) - und Christoph Bantzer liest Gedichte verfolgter Schriftsteller. Güz

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