Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 07. August 2001

Lübecks Fischer haben Sorgen

Während einer Travebereisung zeigten sie ihre Probleme vor Ort

1880601.jpg
Das fröhliche Bild täuscht: Lübecks Fischer haben Sorgen und Nöte.; Foto: R. Bartsch

Die Sorgen und Probleme der Gothmunder und Schlutuper Fischereigenossenschaft standen im Mittelpunkt einer Bereisung des traditionellen Fanggebiets an der Trave, zu der Lübecks Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel und Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann eingeladen
hatten.

Die Trave abwärts

Mit dem Kutter "Neptun" des Gothmunder Fischers Thomas Kaitschick ging es von dem versteckt liegenden Fischerdörfchen traveabwärts durch die Pötenitzer Wiek bis zum Dassower See.

Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter örtlicher Fachbereiche und Organisationen, um bei Fragen und Problemen kompetente Antwort zu geben.

Beim ersten Stopp in der Großen Holzwiek, einer regelmäßig befischten, seit längerem in der Kritik stehenden Travebucht, mußte Senator Halbedel den ersten Tadel einstecken. "Das hier als Probebereich angebotene Revier für Wasserski ist längst zur Dauereinrichtung geworden," so Karl-Heinrich Bülk, Vorsitzender der Fischerei-Genossenschaft. Im Sommer ankern hier Dutzende Sportboote, sogar Wasserskilaufen ist erlaubt. "Hier muß etwas passieren, schon zwei oder drei ankernde Boote machen uns hier unsere Fischzüge unmöglich. Sonnabend und Sonntag wird hier Wildwest gespielt!"

Nicht genug damit, auch die Ausweitung von Hafenanlagen und der Bau von Kaianlagen wirkt sich auf die Fischerei aus. Die notwendige Ausbaggerung auf die Fahrwassertiefe von neun Meter zerstört die Fischgründe der Trave auf Jahre.

Magere Zahlungen

Die Ausgleichszahlungen sind, obwohl theoretisch auf den Fangausfall von 20 Jahren ausgelegt, viel zu niedrig, so der Gothmunder Genossenschaftsvorsitzende. Angesichts der Situation waren sich die Vertreter der zuständigen Gremien einig, nach Wegen zu suchen, um Abhilfe zu schaffen. Senatorin Dr. Beate Hoffmann: "Auf jeden Fall sollten Alternativen angeboten werden!"

Schlechte Nachrichten auch von der Wasserschutzpolizei. Die anstehende Umstrukturierung wandelt das Revier Lübeck zur fast bedeutungslosen Station, die bisherige Station Schlutup wird ersatzlos gestrichen. Das künftige Revier Travemünde wird dann allein zuständige Einsatzzentrale für Trave und Lübecker Bucht sein. Darunter könnte die Sicherheit auch im Lübecker Hafen leiden.

Auch gute Nachrichten

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. Die Wasserqualität der Trave hat sich - selbst im Auslaufbereich der Lübecker Kläranlage - erheblich verbessert. Sogar dort befanden sich bereits wieder Flußkrebse in den Netzen der Fischer. Wenn die Bürgerschaft einer Empfehlung im September folgt, dürfen die Hobbyangler schon bald über Travemünde hinaus bis zur Herrenbrücke von Land nicht nur die schwimmende Pose, sondern ganz legal die Grundangel auswerfen. Auch der Uferbereich des Brodtener Ufers soll wieder auch für nichtorganisierte Angler frei gegeben werden - den Jahresfischereischein natürlich vorausgesetzt.

Senator Wolfgang Halbedel im abschließenden Resümee in der Gothmunder Fischerklause: "Natürlich kennt man sich längst untereinander. Aber im persönlichen Gespräch lassen sich viele Dinge unbürokratischer vorbesprechen und auf den Weg bringen!"

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de