Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 26. Juni 2019

Ausgabe vom 21. August 2001

Public-private-partnership

Büro der Bürgerschaft:Sponsoren übernehmen Teil des notwendigen Umbaus

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Bald in renovierten Räumen: Oertling und Kasimir; Foto: C. Kautz

Das Büro der Bürgerschaft betritt zwar kein Neuland, etwas ungewöhnlich ist es dennoch: Seit Ende Juli sind die Handwerker im Büro der Bürgerschaft und damit auch in den Räumen des Stadtpräsidenten tätig. Der verschlissene Teppich ist herausgerissen worden, die Wände sind kahl, die Renovierung der Räume, denen man die elfjährige Malerpause ansieht, läuft auf Hochtouren.

Daß auch städtische Büros ab und an etwas neue Farbe benötigen, Teppichböden nur eine begrenzte Haltbarkeit haben und daher die Handwerker kommen müssen, ist völlig selbstverständlich. Neu ist nur, daß einen Großteil der Kosten diesmal nicht die Hansestadt Lübeck trägt, sondern Sponsoren.

Am Mittwoch stellten die Chefin des Büros der Bürgerschaft, Susanne Kasimir, und Stadtpräsident Peter Oertling die Maßnahme bei einem Pressetermin vor. Danach werden die Räume auf den neuesten Stand gebracht: Stadtpräsident und Kasimir erledigen einen Teil ihrer Arbeit am PC, wofür neue Kabelschächte verlegt werden mußten, in denen die Netzwerkleitungen verschwinden. Den Auftrag dafür hat die Verwaltung vergeben; er wird auch mit städtischem Geld bezahlt. Das trifft auch auf Maler- und sonstige Elektroarbeiten zu.

Den Rest übernehmen private Geldgeber. Ihre offenbar guten Drähte zur Wirtschaft ließ Kasimir spielen und fädelte den Deal ein: So übernimmt der Hauptsponsor des VfB Lübeck, die Schönberger Palmberg Büroeinrichtungen und Service GmbH die Kosten für die neue Pantry (Mini-Küche). Den Ersatz für die bisherige Schrankwand bezahlen ebenfalls Sponsoren. Das alte Möbel stammt noch aus den 70er Jahren und versprühte den muffigen Charme der ABBA- und Schlaghosen-Zeit.

Teppich-Spende

Auch "Teppich-Fauth" ist wieder mit von der Partie und ließ seine guten Kontakte spielen. Auch das ist nichts wirklich Neues: Bereits für den Audienzsaal hatte sich der rührige Gastronom Hans-Lothar Fauth vor ziemlich genau zwei Jahren ins Zeug gelegt und seine Beziehungen spielen lassen. Das - zurückhaltend ausgedrückt - rosarote Stück Velours fand dann jedoch nicht die Gnade bei den Denkmalpflegern, die die Farbe des Teppichs für schlichtweg unangemessen für Lübecks gute Stube hielten. Auf gut Deutsch: Das Ambiente des Spätbarock-Saals hätte sich mit der angebotenen Teppichfarbe "gebissen".

Im März 2001 nahm die Geschichte noch ein glückliches Ende: Ein neuer Sponsor, das Einrichtungshaus Reese, und der ehemalige Senator Helmut Wendelborn spendeten einen größeren Geldbetrag, mit dem ein farblich dezenter Belag, ein mausgrauer Velours, angeschafft und verlegt werden konnte.

Bis Ende August fertig

Bevor die Handwerker diesmal loslegten, mußten zuvor eifrig Kisten gepackt werden: 50 Umzugskartons mit Akten und Porzellan wurden verstaut und in einem Großraumbüro einige Meter weiter eingelagert.

Oertling berichtete, daß die formelle Anerkennung der Spende noch ausstehe und der Hauptausschuß über diese public-private-partnership, diese geldsparende Form der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, in Kürze unterrichtet werde. Neben dem Schönberger Unternehmen beteiligen sich weitere Sponsoren an dem Umbau: Die Hanseatische Wach- und Schutzdienst GmbH, die Messe- und Ausstellungs GmbH sowie Karo Ass aus Timmendorf (Teppich).

Wenn der Umbau Ende August abgeschlossen ist, verfügen Stadtpräsident und das Büro der Bürgerschaft über zeitgemäße repräsentative Räume. Ein Gerücht, das in Kreisen lästern- der Journalisten die Runde machte, stimmt allerdings nicht: Der Kühlschrank in der Pantry wird nicht regelmäßig von Deutschlands größter Brauerei aufgefüllt.

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