Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 21. August 2001

Liebschaften und Greuelmärchen

Heinrich Manns späte Zeichnungen im Buddenbrookhaus

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Eine der Zeichnungen von Heinrich Mann; Foto: Steidl-Verlag

Eine Weltpremiere im Buddenbrookhaus: In einer Sonderausstellung mit dem Titel "Liebschaften und Greuelmärchen" werden hier vom 26. August bis zum 28. Oktober rund hundert bisher unbekannte Zeichnungen von Heinrich Mann zu sehen sein (die SZ berichtete).

Daß Heinrich Mann (1871-1950) im amerikanischen Exil nicht nur geschrieben, sondern auch gezeichnet hat, ist in verschiedenen Quellen dokumentiert. Thomas Mann spricht in seinem Tagebuch von "einer Menge obszöner Zeichnungen", die sein Bruder angefertigt habe.

Bislang wurde angenommen, die Zeichnungen Heinrich Manns seien bis auf ein Skizzenbuch nach seinem Tod vernichtet worden oder verloren gegangen. Durch Zufall hat der Journalist und Biograph Volker Skierka des Schriftstellers Lion Feuchtwanger jedoch einen sensationellen Fund gemacht: In einem Nachlaß in Kalifornien entdeckte er knapp 400 dieser verschollen geglaubten Zeichnungen aus der Hand von Heinrich Mann.

Es handelt sich dabei keineswegs nur um Bilder von "dicken, nackten Weibern" (Th. Mann), um Varieté- und Bordellszenen. Heinrich Mann hat in seinen Bildern mit spitzer Feder zur politischen Situation Stellung genommen und literarische Eindrücke verarbeitet.

Die Zeichnungen sowie die höchst aufschlußreiche Zuordnung zu seinem literarischen Werk werden das Bild des Schriftstellers Heinrich Mann ergänzen beziehungsweise nachhaltig verändern. Auch die Diskussion über das Thema Sexualität in der Schriftsteller-Familie Mann wird neu belebt werden.

Parallel zur Ausstellung erscheint im Steidl-Verlag (Göttingen) ein aufwendig gestalteter Bildband, der der

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