Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 25. August 2019

Ausgabe vom 21. August 2001

Sonnentechnologie voranbringen

Seit vier Jahren bekommt Familie Beckmann Saft von der Sonne

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Weder Weltverbesserer noch verbohrte Umweltschützer: die Beckmanns; Foto: N. Neubauer

"Ich bin kein Phantast", sagt Burkhard Beckmann, "ich habe mir das genau ausgerechnet und gewußt, das Geld kommt wieder rein." Vor vier Jahren ließ er sich eine Photovoltaik-Anlage für 20 000 Mark installieren. 16 Jahre noch, dann hat er die Summe plus Zinsverlust wieder drin.

Familie Beckmann ist eine ganz normale Familie. Burkhard und Beatrixe Beckmann wohnen mit ihren beiden Kindern in einer Doppelhaushälfte in St. Lorenz, sie sind beide berufstätig. Er arbeitet als Krankenpfleger, sie als Krankenschwester. In der nächsten Woche geht es mit den beiden Kindern nach Italien an den Gardasee, Sonne tanken.

Sonne tanken auch die Platten auf dem Dach des Hauses. Die rund drei Quadratmeter große Fläche, die mit Solarzellen bestückt ist, produziert etwa 840 Kilowattstunden Strom im Jahr und damit rund ein Fünftel des Saftes, den die Familie verbraucht.

Burkhard Beckmann hat sich immer interessiert für alternative Energien. "Das fing in der Schule an, Anfang der 70er", sagt er.

Die Beckmanns sind keine Weltverbesserer und noch lange keine verbohrten Umweltschützer. "Wir tun, was wir können, trennen Müll und fahren zum Bäcker mit Rad statt mit dem Auto", sagt Beatrixe. Zu dem Machbaren gehört eben die klimafreundliche Erzeugung von Energie. Als Sonnenenergie für andere kein Thema mehr war, weil das Rohöl wieder sprudelte, ebbte das Interesse an alternativer Energieerzeugung bei Burkhard Beckmann nicht ab.

Eine Ausstellung der Stadtwerke vor fünf Jahren zum Thema und ein Förderprogramm der Stadt gaben den Ausschlag dafür, daß Beckmann aktiv wurde. Es stellte sich heraus, daß sein Haus bestens geeignet ist.

Optimale Voraussetzungen

Zum einen ist das Dach gen Süden ausgerichtet, so daß die Sonne mit nur einer Abweichung von fünf Prozent bei höchstem Sonnenstand aufs Dach knallt. Zum anderen stehen in der Straße, in der die Beckmanns leben, weit und breit keine Hochhäuser oder Bäume, die Schatten aufs Dach werfen.

Die 840 Kilowattstunden Strom, die die Anlage pro Jahr ins Stromnetz der Stadt einspeist, bekommt der Familienvater mit zwei Mark pro Kilowattstunde von den Stadtwerken bezahlt. Normal liegt der Preis für eine Kilowattstunde bei 22 Pfennigen plus Mehrwertsteuer. Beckmann hatte nämlich Glück: Er profitiert von dem sogenannten 100-Dächer-Programm, das die Bürgerschaft 1996 beschlossen hatte, und mit dem sich die Stadt verpflichtete, 100 Photovoltaik-Anlagen zu fördern: Der Strom wird über 20 Jahre vergütet, so daß die Installation der Technik kostendeckend ist.

Beckmann jedenfalls ist zufrieden und auch wenn er kein Phantast ist, läßt er seine Phantasie dennoch gerne schweifen: "Sonnenenergie hat Perspektive. In ein paar Jahren hängen wir an Stromleitungen aus Afrika wie wir heute an

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