Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 26. April 2019

Ausgabe vom 21. August 2001

Ein vorindustrielles Verfahren!

Zu: "Arsenherkunft bleibt ungeklärt; SZ vom 14. August 2001

Man muß den sachlich geschriebenen Artikel über die Gutachten zum Pfleiderer-Gelände für seine Subtilität loben: Bleibt es doch dem Leser vorbehalten, die Aussagen der Umwelt-Senatorin mit der zentralen Feststellung der Untersuchungen zu vergleichen. Für Frau Hoffmann geht "... derzeit (?) keine Gefahr ..." vom Gelände für den Hauptgrundwasserleiter (HWGL) aus.

Für die Gutachter steht jedoch fest, daß alle Proben kontaminiert waren und "...daß prinzipiell ein Schadstoffeinstrom von der Oberfläche beziehungsweise vom oberen GWL zum HWGL stattgefunden hat. Dafür sprechen auch die Schichtverzeichnisse, die sandige Teilstücke ausweisen, die einen Durchtritt von Schadstoffen erlauben. (...)" (zitiert aus dem Gutachten des Gefahrstoffbüros Prof. Stephan und Dr. Strobel).

Das bedeutet, daß das m.E. illegale Sanierungsverfahren auf völlig falschen Voraussetzungen basiert: Die immer gegenüber der Bürgerschaft als undurchlässig bezeichnete Mergelschicht ist laut mehreren Gutachten so dicht wie ein Sieb. In dem nur seitlich abgeschotteten "Trog" auf dem Gelände lagern derzeit ca. 400.000 Tonnen (!) stark verseuchten Bodens - auf den auch noch zusätzlich 12.000 Tonnen hochkontaminierte Arsen-Erde, vermischt mit Beton, verbracht werden soll. Ein schlichtweg vorindustrielles Verfahren!

In der Landtags-Drucksache 15/1146 vom 8. August 2001 heißt es zudem: "...Eine Genehmigung im Sinne eines förmlichen Verwaltungsaktes wurde für die Sanierung des ehemaligen Pfleiderergeländes (...) nicht erteilt." Es heißt weiter, daß in einem Schreiben des Umweltamtes von Ende 1999 nur ein "... grundsätzliches Einvernehmen ..." mit dem Sanierungsplan ausgedrückt wurde. Was für ein Projekt dieser Größenordnung nicht den gesetzlichen Ansprüchen genügen kann und folgerichtig der Bürgerschaft nie deutlich gemacht worden ist.

Um weiterem Schaden vorzubeugen, muß nunmehr dem insgesamt unverantwortlichen Treiben schnellstens ein Riegel vorgeschoben werden! Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß die im Artikel als "...leicht erhöhter Arsengehalt..." bezeichnete Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte im Hawesta-Brunnen satte 45% über der zulässigen Marke liegt.

Peter Wolter, Lübeck

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