Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 21. März 2019

Ausgabe vom 25. September 2001

Blick in die Grube

Bürgermeister besichtigt Beichthaus

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Saxe betrachtet Fundstücke; Foto: M. Langentepe

Eine der letzten Möglichkeiten, den freigelegten Boden des Beichthauses zu besichtigen, bevor die Stützen aus Stahlbeton eingezogen und die rund acht Meter tiefe Grube wieder verfüllt wird, hat Bürgermeister Bernd Saxe in der vergangenen Woche genutzt. Wie berichtet, wird in diesem Gebäudeteil des Burgklosters, um 1350 in einer geradezu technischen Meisterleistung in den steilen Hang zur Großen Altefähre gebaut, das Archäologische Museum eingerichtet. Ende 2002 soll die Sanierung des Beichthauses abge- schlossen sein, das noch bis 1984 als Turnhalle genutzt wurde.

In dieser trieb Doris Mührenberg einst Sport. Heutzutage ist sie eine der Archäologinnen, die vor dem eigentlichen Baubeginn unter der Leitung des Lübecker Architekten Thomas Schröder-Berkentien in der Halle des Beichthauses Spuren der Vergangenheit sichern. Die sind mehr als reichlich vorhanden: So fanden sie in der Tiefe eine Abfallgrube mit säuberlich gestapelten Dachpfannen, die vermutlich aus den Jahren 1220 bis 1240 stammen und zuvor als Dachabdeckung der Burg genutzt worden sein könnten, die auf dem Hügel stand, auf dem dann die Dominikaner ihr Maria-Magdalena-Kloster, im Volksmund Burgkloster, errichteten.

Die Archäologen entdeckten auch Hinweise darauf, wieso das Gebäude im späten Mittelalter kollabierte: Vermutlich gaben die Stützpfeiler der mächtigen zweischiffigen Halle etwas nach, was sich auch noch heute an Rissen in den Gewölben ablesen läßt. Die frühere mittlere Pfei-lerreihe wurde daher entfernt und eine neue Decke eingezogen. Erste Überlegungen, die neue Museumshalle auf den alten Fundamenten aufzubauen, wurden daher verworfen, erklärte Architekt Schröder.

"Kalte" Sanierung

Bei den Bauarbeiten, die in wenigen Tagen beginnen, wird eine neue Decke in die Halle eingezogen, die jedoch einen "respektvollen Abstand" zu den alten historischen Wänden einhält, so daß Museumsbesucher den ursprünglichen Zustand des Gebäudes erkennen können.

Sparsam aber dennoch reizvoll wird auch das hohe Dachgeschoß des Beichthauses saniert: In jedes Sparrenfeld des Daches werden raffbare helle Segel eingesetzt, die einerseits etwaige Reparaturen erlauben, andererseits aber die Dachziegel verdecken. Der Ausstellungsraum selbst bleibt kalt. Dort werden Exponate gezeigt, denen Temperaturschwankungen nichts ausmachen.

Auf die erste Ausstellung können sich Interessierte schon jetzt freuen:Sie befaßt sich mit der Dänenzeit (1201- 1225) in Lübeck. 2004 wird dann die ständige Ausstellung eingerichtet.

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