Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 08. Januar 2002

Arbeitsmarkt:Reformen überfällig

Schon ein Drittel Langzeitarbeitslose - Negative Entwicklung trifft die Städte

"Die ungünstige Entwicklung am Arbeitsmarkt trifft vor allem die Städte", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Dr. Stephan Articus. Sie müssen für das Jahr 2002 mit erheblichen Mehrausgaben im Bereich der Sozialhilfe und Mindereinnahmen bei den Steuern rechnen.

Schon heute werde in vielen Bereichen - von Schule bis Sport - nur noch der Mangel verwaltet. Derzeit wenden die Kommunen 27 Milliarden Euro für Sozialleistungen auf - häufig mehr, als für Investitionen zur Verfügung steht.

Die Tendenz ist steigend. Für den Dezember 2001 wird bundesweit erstmals wieder von rund 4 Millionen Arbeitslosen ausgegangen, rund ein Drittel davon sei langzeitarbeitslos.

Nicht anders sieht es in Lübeck aus: in der Hansestadt waren im November 14304 Menschen arbeitslos, davon 4802 schon länger als ein Jahr. Ein hoher Teil dieser Langzeitarbeitslosen bezieht auch Sozialhilfe oder andere Sozialleistungen, die den städtischen Haushalt belasten.

Die bundesweite Einführung des als Lübecker Modell bekannten Projekts "Arbeit statt Sozialhilfe" liegt dem Bundestag als Entscheidungsantrag vor. Dies sei eine notwendige Weichenstellung, um den Vorrang von Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung zu erreichen.

Notwendig sei zudem ein eigenständiges Leistungsrecht für Langzeitarbeitslose und eine Reform der Eingliederungshilfen für Behinderte, die von den Kommunen getragen werden.

Diese Leistungen müßten aus der kommunalen Fürsorge herausgelöst und vom Bund getragen werden. Ferner müsse Ziel eines verbesserten Familienleistungsausgleiches sein, die hohe Zahl von Kindern in der Sozialhilfe - von 2,7 Millionen Hilfeempfängern sind rund 1,1 Millionen Kinder - nachhaltig zu verringern.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de