Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 08. Januar 2002

"Zuviel Dilettantismus in Gewerbeschulen ..."

Hansestadt übergibt Fachräume", SZvom 18. Dezember 2001.

Sicher ist es als ein großer Schritt zu werten, wenn wieder einmal in die Aus- und Fortbildung investiert wird. Schließlich scheint man dieses Thema immer nur theoretisch abhandeln zu wollen. Geld spielt hierbei natürlich immer eine große Rolle und Geld ist knapp.

Man könnte ja auch der Meinung sein: Wozu noch großartig ausbilden? Freie Stellen werden eh immer knapper. Außerdem wird die Anzahl der Maschinen immer größer. Im Gegenzug dazu hat man allerdings auch erkannt, daß es dringend an Fachpersonal mangelt, so daß dieses "importiert" werden muß.

Aber was hilft eine exzellente technische Ausstattung, wenn die Lehrer mit ihrem Wissensstand arg hinterherhinken? Was nützt das alles, wenn die Lehrer nicht das Vermögen haben, sich zu einer Respektsperson hoch zu arbeiten?

Nach meinem Dafürhalten herrscht an den Gewerbeschulen zu viel Dilettantismus! Zu meiner Zeit - und das ist jetzt schon 14 Jahre her - war das noch ein bißchen anders: Lehrer waren Respektspersonen, da sie um ihre Kompetenz wußten und dementsprechend auftraten. Die Schulordnung war strenger und wurde von den Schülern auch gewahrt! Aber auch damals gab es schon "Schwarze Schafe", die sich durch Unvermögen, das sie teilweise durch Strenge zu kompensieren versuchten, als solche herauskristallisierten. Wenn man den Meinungen der Auszubildenden glauben darf- und ich habe keinen Zweifel daran- ist die Motivation derart auf dem Tiefstand, daß diese gern auf Schule verzichten würden, um in der Zeit der Ausbildung im Betrieb frönen zu können. Ich finde, das spricht eine eindeutige Sprache! (Und sagen Sie jetzt bitte nicht, das sähe den Azubis ähnlich: Von wegen Faulheit und so...) Die Azubis (jedenfalls deren Mehrheit) haben ein Ziel vor Augen. Sie wollen was lernen. (...)

Die Hamburger berufsbildenden Schulen zeigen auch mit ihrer Kampagne "Durchstarten -Zukunft gestalten", daß in der Vergangenheit wohl zu wenig Wert auf Nachwuchs und Fortbildung der Lehrer geachtet wurde. Auch der Bund setzt ein Zeichen, indem er das Referendariat ab September 2002 auf 18 Monate verkürzen und die Einkommenschancen verbessern will.

Ich hoffe also, daß in Zukunft mehr auf die Weiterbildung der Lehrer geachtet wird!

Ingo von Aspern
Lübeck

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