Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 14. November 2018

Ausgabe vom 15. Januar 2002

Nicht nur für Historiker

Neuerscheinung zeigt Geschichte des Stadtteils St. Lorenz auf

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Die Chronik ist lebendig geschrieben. Foto: N. Neubauer

Nach sechzehn vorangegangenen "Kleinen Heften zur Stadtgeschichte", herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lübeck, ist nun Heft 17 auf den Markt gekommen. "St. Lorenz - Chronik der Vorstadt vor dem Holstentor" von Elke Brandenburg widmet sich der Geschichte des Stadtteils.

Die Chronik beginnt im 13. Jahrhundert, sie ist illustriert und lebhaft geschildert, und reicht bis in die heutige Zeit. Schon früh wurden städtische Einrichtungen außerhalb der Stadtmauern gelegt, wie etwa die Petri- und Ratsziegelei oder die Terrakottafabrik von Statius v. Düren. Auch Mühlen oder Reeperbahnen belebten im 14. Jahrhundert das Umland. Schankwirtschaften lockten mit preiswertem Bier, wie die Lachswehr von 1362, die bereits 1695 Kaffeegarten genannt wird, oder der erste Schützenhof, sowie der Reuterkrug, der manchen noch als Delta-Palast oder Holstentor-Kino in Erinnerung ist.

Lübecker Archivunterlagen bilden die Basis für das Buch. Der 1597 als Pestfriedhof errichtete St. Lorenz-Friedhof spiegelt noch heute die vielfältige Geschichte wider, auch wenn die alte Fachwerkkapelle von 1661 nur noch als Foto überliefert ist.

Nach Lockerung der Zunftvorschriften, nach Eröffnung der Eisenbahnlinie Lübeck-Büchen, nach Aufhebung der Torsperre sowie nach Abschaffung der Akzise begann 1846 mit Schetelig & Kollmann (später LMG), Ewers & Miesner, Evers Schiffswerft, der Sägemühle Meyer & Boldt die industrielle Erschließung des vorstädtischen Umlandes. Pioniere ihrer Zeit, die als Großunternehmer und Senatoren in Lübeck bekannt wurden, wie Ewers & Co., Erasmi, Thiel und Beth sowie Dräger, werden in der fast 150 Seiten starken Publikation nicht vergessen.

Die einschneidenste Veränderung in St. Lorenz bedingte der Bau des Hauptbahnhofes (1903 bis 1906). Es folgte der Abriß bebauter Straßenzüge und die Teilung des Stadtteils in Süd und Nord. Waren es zu Beginn vor allem Arbeiter, die St. Lorenz besiedelten, entwickelten sich mittelständisch strukturierte Gebiete breiter sozialer Schichtung. Neben den Siedlungsbauten mit Garten in den 20er und 30er Jahren in Dornbreite, Krempelsdorf, Falkenfeld oder Vorwerk, entstanden nach dem Krieg die Neubaugebiete mit ihren mehrgeschossigen Wohnungen.

Mit dem Buch wird zum einen Historikern ein verläßliches Nachschlagewerk an die Hand gegeben. Es ist aber zum anderen auch für diejenigen empfehlenswert, die mehr über ihren Stadtteil und ihre Stadt erfahren möchten. Zumal es fesselnd und locker geschrieben ist.

"St.Lorenz - Chronik des Stadtteils vor dem Holstentor" von Elke P. Brandenburg ist in der Reihe Kleine Hefte zur Stadtgeschichte im Verlag Schmidt/Römhild erschienen. Herausgeber ist das Archiv der Hansestadt Lübeck.

Das Buch ist für 10,12 Euro in Buchhandlungen zu bekommen.

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