Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 22. Januar 2002

Weg aus dem Pflegelabyrinth

Trägerunabhängige Pflegeberatungsstelle der Hansestadt Lübeck eröffnet

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Uta Henke-Meier und Christiane Jagdmann machen in Sachen Pflege schlau. Foto: N. Neubauer

Ob plötzlich oder absehbar - wer zum Pflegefall wird, sieht sich einem Wust von Fragen gegenüber. Sind die Voraussetzungen auf einen Platz im Pflegeheim erfüllt? Wo ist ein Platz frei? Welche Beratungsstelle zuständig ist und Antworten gibt, ist auch oft unklar. Damit soll nun Schluß sein in der Hansestadt Lübeck. Wolfgang Halb-edel (CDU), Senator für Wirtschaft und Soziales, hat gestern mit rund 150 Gästen die Pflegeberatungsstelle im "Haus Trave" im Verwaltungszentrum Mühlentor eröffnet.

Ein dreiköpfiges Team, bestehend aus zwei Sozialarbeiterinnen und einer Sekretärin, wird fortan für mehr Durchblick in Sachen Pflege sorgen und Pflegebedürftige sowie deren Angehörige beraten und einen Überblick über bestehende Pflegeangebote in Lübeck geben. "Wir sind nicht zuständig - diese Antwort werden wir nicht geben. Wir helfen, wo wir können", sagt Uta Henke-Meier, eine der beiden Sozialarbeiterinnen. Die Pflegeberatungsstelle soll zur zentralen Stelle innerhalb des bestehenden Angebots werden.

"Es gibt genug Anlaufstellen, aber sie sind an Träger gebunden. Dieses Angebot ist träger-unabhängig. Ratsuchende werden neutral beraten", sagte Halbedel im Gespräch mit der SZ. Das Angebot wolle keine Konkurrenz machen, sondern ergänzen. Ziel sei es, den Betroffenen schnell zu helfen und ihnen einen Überblick zu verschaffen.

Was in anderen Bundesländern längst selbstverständlich ist, dort gibt es seit Jahren entsprechende Stellen, ist in Schleswig-Holstein neu. Die hiesige Pflegeberatungsstelle der Hansestadt gehört zu einem Modellprojekt, das das Land Schleswig-Holstein im Rahmen der Pflegequalitätsoffensive initiiert hat.

Neben Lübeck gibt es bereits weitere Büros in Flensburg, Kiel, in den Kreisen Ostholstein, Lauenburg, Pinneberg und Norderstedt.

Von den jährlichen Kosten der Pflegeberatungsstelle in Höhe von 319 000 Mark (163 000 Euro), die Personal-, Sach- und Verwaltungskosten einschließen, übernimmt das Land 160 000 Mark (rund 82 000 Euro) und die Hansestadt Lübeck 159 000 Mark (rund 81 000 Euro). Bis 2004 ist die Finanzierung gesichert.

Die Hansestadt hat das Angebot in Abstimmung mit den Wohlfahrtsverbänden auf den Weg gebracht. Detlef Wulff, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände, in der das Diakonische Werk, die Arbeiterwohlfahrt, der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz und der jüdische Wohlfahrtsverband vertreten sind, begrüßt die Innovation: "So eine Stelle ist sinnvoll, wir tragen sie mit." Mancher Betroffene glaube, von Wohlfahrtsverbänden nicht neutral beraten zu werden und bleibe weg. "Die Stadt hat den neutralsten Charakter als Anbieter", sagt Wulff. Konkurrenz fürchte er nicht, sondern eher Entlastung. "Das heißt aber nicht, daß die Wohlfahrtsverbände ihre Bemühungen in diesem Bereich reduzieren wollen", solche Signale gebe es nicht.

Der Weg aus dem Pflegelabyrinth führt also zum Verwaltungszentrum Mühlentor (Kronsforder Allee 2-6) ins "Haus Trave". Gleich im Erdgeschoß befinden sich die Büros, die mit dem Rollstuhl zugänglich sind. Neben Sozialarbeiterin Uta Henke-Meier, die zehn Jahre in der Geriatrischen Tagesklinik gearbeitet hatte, wird sich Maria Brinkmann um die Belange der Ratsuchenden kümmern. Christiane Jagdmann übernimmt das Sekretariat. "Professionelle Hilfe ist also gesichert", so Senator Halbedel.

Die Pflegeberatungsstelle hat montags, dienstags und freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet, donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Telefonisch ist sie unter 122-44 58 zu erreichen.

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