Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 22. Januar 2002

Sparliste stößt auf heftige Kritik

Von kulturellem Kahlschlag und Sparen mit dem Rasenmäherprinzip ist die Rede

2100201.jpg
Weil für eine Restaurierung das Geld fehlt, werden die Deckenmalereien im Burgkloster gesichert. Foto: C. Kautz

Mit 29,78 Euro hat jeder Lübecker - wenn man den Zahlen des Produktbuchs des Fachbereichs Kultur Glauben schenken darf - im Jahr 2000 die Kultur-einrichtungen und Museen der Hansestadt mitfinanziert. Diese Bereiche erwirtschafteten ein Defizit von 9,449 Millionen Euro. Rechnet man die Fehlbeträge der Stadtbibliothek, die Zuschüsse an die Musik- und Kongreßhalle und das Theater hinzu sind es sogar über 17Millionen - angesichts leerer Kassen viel zuviel, meint Bürgermeister Bernd Saxe. Schließlich hatte doch auch der Präsident des Landesrechnungshofes, Dr. Gernot Korthals, Lübeck als das größte Sorgenkind des Landes bezeichnet.

So wie in den anderen städtischen Fachbereichen sollen auch im FachbereichKultur in diesem Jahr sieben, im nächsten zehnProzent gegenüber dem Haushalt 2001 eingespart werden. Auf der Sparliste des Bürgermeisters stehen unter anderem die Kulturförderung, das Kommunale Kino, Museen, Stadtteilbibliotheken.

Für Kultursenator Ulrich Meyenborg (SPD) ist es keine leichte Aufgabe, die von der Bürgerschaft durch den Haushaltsbegleitbeschluß zum Haushalt 2001 "nach dem Rasenmäherprinzip verordnete" (Meyenborg) nachhaltige Budgetreduzierung von 7,881 Millionen Euro umzusetzen.

Selbst wenn alle kulturellen Einrichtungen von heute auf morgen geschlossen werden könnten, wären vor dem Hintergrund der Tatsache, daß das Personal nicht von heute auf morgen entlassen werden kann, bestenfalls Einsparungen von 5,5 MillionenEuro möglich - ein rein theoretisches Zahlenspiel, das niemand ernsthaft erwägt.

Auf der Sitzung des Kultur-ausschusses in der vergangenen Woche kritisierte Kulturexperte Frank-Thomas Gaulin (SPD) nicht nur den "kulturellen Kahlschlag", sondern auch den "desolaten Zustand" des vorgelegten Produktbuchs. Mit dieser fehlerhaften und unvollständigen Entscheidungsgrundlage sei an eine Verabschiedung des Haushaltes nicht zu denken. Bis zur nächsten Sitzung solle das Produktbuch überarbeitet werden, wenn bis dahin keine überarbeitete Version vorliege, "wird der Haushalt eben nicht verabschiedet", so Gaulin.

Für Wolfgang Neskovic (Grüne) wäre die Schließung des Völkerkundemuseums "politisch höchst unsensibel", die Ein-sparungen bei den Stadtteil bibliotheken "kontraproduktiv". Eine Empfehlung für die Bürgerschaft will der Ausschuß am 11. Februar aussprechen, dann entscheidet die Bürgerschaft.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de