Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 19. März 2002

Editorial

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Klüngel - man spreche es noch einmal laut Klün - gel. Phonetisch tiptop, einfach schön anzuhören. Klüngel sieht eigentlich auch gut aus, mit den beiden Pünktchen zu Beginn und dem geschwungenen g zum Ende des Wortes hin. Und so häßlich in seiner Bedeutung ist es nun auch wieder nicht, daß es wie in den vergangenen Tagen ständig in einem Zug mit Korruption genannt werden müßte. Zu klüngeln ist doch eigentlich etwas Positives.

Aus dem althochdeutschen clunga ist Klüngel hervorgegangen, was soviel wie kleines Knäuel bedeutet. Im 19. Jahrhundert hat sich das Wort vom Kölner Raum aus verbreitet. Im übertragenen Sinne meint es Clique, Sippschaft und Parteiwirtschaft - so jedenfalls kann der geneigte Leser es im Herkunftswörterbuch des Dudens nachlesen.

Kann denn klüngeln Sünde sein? Klüngeln heißt doch zu kooperieren, Kontakte zu knüpfen, sich zu helfen und gegenseitig zu unterstützen - nichts Schlechtes eigentlich.

Damit ist es wohl vorbei. Die Gleichsetzung von Kölner Klüngel mit Kölner Korruptionsskandal hat Klüngel den letzten Hauch der positiven Besetzung ausgetrieben. Nun sollten die Julis in Köln sich dringend überlegen, ob sie nicht ihr Magazin, das ausgerechnet "Klüngel" heißt, umbenennen.

Gut, daß die SZ nicht Klüngel heißt, sonst hätten wir ein ähnliches Problem, meint

Ihre SZ-Redaktion

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