Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 18. Juni 2002

Suchtkoordinator geht Ende Juli

Weil die Finanzierung der Stelle unklar ist, kündigte Gisbert Stein

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Gisbert Stein

Seit dreieinhalb Jahren sind Sie Suchtkoordinator der Hansestadt Lübeck. Nun gehen Sie zum 1. August. Warum? Gefällt Ihnen Lübeck nicht mehr?

Nein, das hat mit der Stadt nichts zu tun. Ich wäre aus inhaltlicher Überzeugung und Freude an der Arbeit gerne geblieben. Ich gehe aufgrund der unsicheren Situation. Mein Vertrag bei der Hansestadt Lübeck gilt bis Ende des Jahres. Die Bürgerschaft hat zwar beschlossen, daß die Stelle auch darüberhinaus erhalten bleiben soll, doch die Finanzierung ist nicht in den Haushalt für das nächste Jahr eingearbeitet worden.

Sie haben sich also nach einem neuen Arbeitgeber umgeschaut?

Ja - man hat sich auch nach mir umgeschaut und so werde ich künftig im Kreis Herzogtum Lauenburg als Geschäftsführer und Leiter von fünf Sucht- und Drogenberatungsstellen anfangen.

Ist mit Ihrem Weggang nicht zu fürchten, daß Ihre Stelle dem Sparzwang zum Opfer fällt?

Noch glaube ich den Beschlüssen der Politik und die hat ja die Fortführung beschlossen. Insofern gehe ich von einer Wiederbesetzung aus. Natürlich sind auch Zweifel in mir vorhanden.

Die Stelle als Suchtkoordinator begann vor fünf Jahren als Modellprojekt. Welches Resümee ziehen Sie?

In keiner Stadt Schleswig-Holsteins gibt es eine so gute Kooperation. In anderen Städten läuft vieles aneinander vorbei, es gibt dort kaum Absprachen, selten gemeinsame Konzepte, die Leistungsanbieter verfolgen vielfach nur eigene Interessen. Nach meiner Erfahrung konkurrierten in Lübeck früher die Anbieter mehr miteinander, heute arbeiten sie zunehmend miteinander und dadurch ist ihre Arbeit einfacher und effizienter geworden. Diese Entwicklung ist nicht mein alleiniger Verdienst. Den Grundstock hat mein Vorgänger gelegt. Außerdem funktioniert Zusammenarbeit und Kooperation natürlich nur dann, wenn die entsprechenden Leistungsanbieter bereit sind, sich darauf einzulassen.

Wenn Einrichtungen der Suchthilfe heute so gut vernetzt sind, welche Aufgaben bleiben dann dem nächsten Suchtkoordinator?

Die vielen Aufgaben sind im Suchthilfeplan genau beschrieben. Aber lassen Sie mich den Umfang dieser Frage zunächst an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn Sie es in einem langjährigen Prozeß geschafft haben, an einem Flughafen die startenden und landenden Flugzeuge so zu ordnen, daß sie nicht mehr gegeneinander fliegen, dann benötigen sie nach meiner und der Meinung erfahrener Fachleute nach wie vor mindestens einen Fluglotsen beziehungsweise eine Fluglotsin. Zum Glück gehen nur einige scheinbare Experten davon aus, daß die Arbeit des Lotsen getan ist und irgendwo mit dem Sparen angefangen werden kann. Suchthilfekoordination ist aber - und das ist zweifelsfrei unter Beweis gestellt - eine dauerhafte Aufgabe, um Spareffekte zu erzielen und schließlich notwendig, um für die vielen Hilfesuchenden eine optimale Versorgung anzubieten.

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