Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 22. Juli 2018

Ausgabe vom 07. April 1998

Zwei Premieren vor dem Fest

"Orpheus und Eurydike" und "Angst essen Seele auf"

Zwei Premieren stehen in dieser Woche auf dem Spielplan des Lübecker Theaters: Am Gründonnerstag die Oper "Orpheus und Eurydike" von Christoph Willibald Gluck, und am Karfreitag "Angst essen Seele auf" nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder.

Glucks "Orpheus" steht am 9. April um 19.30 Uhr auf dem Programm im Großen Haus. Diese erste seiner sogenannten Reformopern wurde 1762 in Wien uraufgeführt. Gemeinsam mit dem Librettisten Raniero dé Calzabigi wandte er sich gegen die Gestaltungsgesetze der Opera seria, wie sie seinerzeit die Opernbühnen Europas beherrschten.

Neu am Orpheus von 1762 ist vor allen Dingen die Konzentration auf wenige Figuren und die Wiederbelebung des Chores im Sinne des antiken Theaters. Der thrakische Sänger Orpheus ist so verzweifelt über den Tod seiner Frau Eurydike, daß die Götter Mitleid mit ihm haben. Amor verkündet ihm, es sei ihm gewährt, die Verstorbene aus dem Reich der Toten ins Leben zurückzuführen, wenn es ihm gelänge, die Dämonen der Unterwelt zu besänftigen und unter der Bedingung, die Geliebte auf dem Rückweg ins Leben nicht anzusehen, ohne ihr den Grund seines befremdlichen Verhaltens erklären zu dürfen. Orpheus gelingt es, unbeschadet durch das Schattenreich zum Gefilde der Seligen, dem Elysium, zu gelangen. Doch die Aufgabe, Eurydike nicht anzusehen, kann er nicht erfüllen - zu übermenschlich ist diese Bedingung der Götter.

Die musikalische Leitung hat der erste Kapellmeister Rüdiger Bohn übernommen, Jürgen Tachima führt Regie und ist für die Kostüme verantwortlich. Das Bühnenbild hat Hans-Jürgen Schaal entworfen.

In "Angst essen Seele auf" (10. April, 19.30 Uhr in den Kammerspielen) geht es um die Belastbarkeit einer Liebesbeziehung eines ungleichen Paares. Eines Abends betritt Emmi auf dem Heimweg von der Arbeit eine Kneipe, weil es regnet. Dort lernt sie den wesentlich jüngeren Ausländer Ali kennen. Er bringt sie nach Hause und bleibt über Nacht. Wenig später zieht er bei ihr ein, bald heiraten sie. Emmis Kinder, die Nachbarschaft und die Kolleginnen reagieren empört - diese Beziehung gilt als Skandal.

Als das Paar unter dem Druck aus Unverständnis, Neid und Gehässigkeit zusammenzubrechen droht, beschließen sie, in den Urlaub zu fahren. Als sie zurückkehren, scheinen alle wie verwandelt: Schließlich wird Emmi zum Enkelhüten gebraucht, und die Nachbarn benötigen ihren großen Keller. Trotz oder gerade wegen dieser beginnenden Harmonie entfremden sich die beiden...

Rosee Riggs führte Regie, das Bühnenbild hat Elke König entworfen. Die Kostüme stammen von Irmgard Kersting. Emmi wird von Dagmar Laurens gespielt, Ali von Salomon Ayele.

Kartenbestellungen unter der Rufnummer 04 51/12 242 12 oder unter Fax 12 242 77.

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