Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. April 2019

Ausgabe vom 30. Juli 2002

Bisher kein Gebot für Grünstrand

Hansestadt im Gespräch mit Interessenten - Ergebnisse nach der Sommerpause

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Initiative Rettet den Grünstrand³ setzt sich gegen eine Bebauung der Liegewiese ein. Foto: M. Erz

Interessenten für den Grünstrand gibt es genug. Doch keiner hat mit Ablauf der Frist am 15. Juli ein Kaufangebot abgegeben. "Bislang haben wir kein konkretes Angebot", bestätigte Claus Strätz, Leiter der Liegenschaften, gegenüber der SZ. "Wir befinden uns aber mit einigen Interessenten im Gespräch."

Nach Anzeigen in vier überregionalen Tageszeitungen forderten 29 Unternehmen, Architekten und Planer das Exposé zum Verkauf des Grundstückes an. Daß es bisher lediglich bei Interessensbekundungen blieb, führt Strätz auf das allgemeine Investitionsklima zurück. "Zurzeit ist eine allgemeine Zurückhaltung zu spüren." Zudem sei eine Villenbebauung attraktiver und habe größere Realisierungs-chancen als die im Ausschreibungstext geforderte "Mischbebauung aus touristischer, gewerblicher und Handelsnutzung mit erforderlichen Wohnungsanteilen". In der nächsten Sitzung des Hauptausschusses will Strätz über die Ergebnisse der Einzelgespräche berichten.

Die rund 13 500 Quadratmeter große Fläche an der Kaiserallee ist vor 30 Jahren als Grünanlage eingeweiht worden. Vor allem Lübecker und Travemünder Familien nutzen den Grünstrand im Sommer, auch, weil die Nutzung - anders als der Strand ein paar Meter weiter - kostenfrei ist. Die Bürgerschaft hatte nach einem langen Hin und Her im Dezember des vergangenen Jahres beschlossen, die Liegewiese zu verkaufen. Gegen den Verkauf hatten die Grünen und Antje Jansen (fraktionslos) gestimmt.

Kein Aufatmen

Daß kein Kaufangebot vorliegt, läßt Lieselotte von Holt eher aufhorchen als aufatmen. "Wahrscheinlich kommt jetzt die Wohnbebauung wieder auf den Tisch", fürchtet von Holt, die sich in der Arbeitsgemeinschaft "Rettet den Grünstrand" engagiert. Die Ini-tiative, die im vergangenen Jahr über 21 100 Unterschriften gegen den Verkauf des Grundstückes gesammelt hatte, lehnt eine Bebauung grundsätzlich ab und betrachtet eine Wohnbebauung als die schlechteste Lösung: "Sie führt zu Leerstand."

Kompromißbereiter zeigen sich die Mitglieder des Ortsvereins Travemünde. "Grundsätzlich wollen wir keine Bebauung des Grünstrandes, aber wir erkennen eine gewisse Notwendigkeit der Stadt, das Grundstück zu verkaufen", sagt Manfred Behrens, Beisitzer im Ortsrat, und meint damit die finanzielle Lage der Hansestadt. Der Ortsrat könne sich mit einer Randbebauung der Fläche arrangieren, so daß ein Teil des Grünstrandes erhalten bliebe, sagt Behrens. Grund für den Kompromiß sei das Interesse, die olympischen Segelwettbewerbe 2012 nach Travemünde zu holen und die dafür notwendige Infrastruktur zu schaffen.

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