Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 11. Dezember 2018

Ausgabe vom 01. Oktober 2002

Probeanstrich für Fassade

Experten diskutierten künftige Farbgebung - Getöntes Weiß oder Grau-Weiß?

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Die Farbe der Renaissance-Fassade war am vergangenen Dienstag im Rathaus Thema; Fotos: N. Neubauer

Einfarbig in einem hellen Weiß, oder eine dezente grau-weiße Farbgebung, bei der einzelne Bauelemente der Renaissance-Fassade des Lübecker Rathauses besonders hervorgehoben werden - so soll sich nach Abschluß der Sanierungsarbeiten die Front vor der Renaissancelaube an der Nordostecke des Marktes präsentieren.

Mehr als 20 Experten, unter ihnen die Mitglieder des Arbeitskreises für Bau- und Kunstdenkmalpflege, Architekten, Restauratoren, Vertreter des Bereichs Denkmalpflege und des Fachbereichs Stadtplanung hatte Bürgermeister Bernd Saxe in der vergangenen Woche ins Rathaus eingeladen, um über die künftige Optik der "Postkartenseite" des historischen Gebäudes zu diskutieren. Die Sanierung der in den Jahren 1570/71 errichteten Fassade war dringend notwendig, Mauerwerk und Mörtel hatten sich bereits teilweise gelöst. Während der seit Oktober vergangenen Jahres laufenden Sanierungsarbeiten entdeckten Fachleute: Nur noch rund 14 Prozent des ursprünglichen Steinmaterials ist vorhanden, der Rest wurde im Laufe der Zeit mit anderen Steinarten ersetzt - dadurch entstand das Bild der "buntscheckigen Fassade".

Daß es nach dem fast fünfstündigen Treffen keine eindeutige Aussage zur Farbgebung gab, hat einen simplen Grund: "Es gibt 30 Farbefunde auf den Steinen, aber keine denkmalpflegerisch gesicherten Erkenntnisse, ob die gesamte Fassade in diesen Tönen gestrichen war", sagte Saxe, "im Grundsatz sind wir frei in der Entscheidung."

Vier Varianten standen zu Beginn der Expertenrunde zur Debatte, zwei schieden allerdings sehr schnell wieder aus: Ein Klarlack-Anstrich, der nur eine Schutzfunktion hätte und die Fassade "steinsichtig" ließe und eine "üppige bunte Farbgebung" in gelben, grünen, blauen, goldenen und anderen Farbtönen.

"Die hat es wahrscheinlich nicht gegeben", verwies Restaurator Jochen Seebach auf den eher niederländischen Einfluß bei der Gestaltung der Renaissancefassade - "es ist nicht der bunte italienische Renaissance-Stil, der in Lübeck angewandt wurde." Blieben also zwei Möglichkeiten: Ein leicht abgetöntes Weiß (Bleiweiß), oder zweifarbig in Grau und Weiß.

Eine Entscheidung am grünen Tisch erschien allerdings keinem der Experten für sinnvoll. "Wir werden zwei Versuchsfelder mit den jeweiligen Farbvarianten gestalten, dann kann die Wirkung unter realistischen Bedingungen beurteilt werden", sagte Saxe. Das soll noch im Herbst geschehen. Nach den Probeanstrichen wird das Gerüst abgebaut, zum Weihnachtsmarkt ist dann zumindest ein Teil der Renaissancefassade wieder sichtbar. Im Frühjahr 2003 wird allerdings wieder eingerüstet, dann bekommt die Fassade den endgültigen Anstrich. Noch nicht entschieden ist darüber, ob auch die Wappen an der Fassade einfarbig, oder in den historischen Farben gestaltet werden. Denn, die Farbtöne der Wappen sind belegbar, sie schmücken die Portraitbilder der Bürgermeister-Galerie im Rat-hausflur. "Auch bei den Wappen könnten wir Probestücke machen, dafür eignen sich farbige Folien, die wieder abgezogen werden können", erklärte der Bürgermeister.

Die Entscheidung über die künftige Farbgebung ist den Experten vorbehalten, "aber es wird bestimmt Diskussionen darüber geben".

M.R.

Die Redaktion der Stadtzeitung möchte den Bürgern und Bürgerinnen die Gelegenheit geben, ihre Meinungen zu äußern. Schauen Sie sich, wenn die Farbe aufgetragen ist, die Probefelder an und sagen Sie uns, was Ihnen besser gefällt.

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