Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 20. August 2019

Ausgabe vom 01. Oktober 2002

Uni darf kein Anhängsel werden"

Bürgermeister Bernd Saxe lehnt Vorschlag zur Hochschulreform mit Nachdruck ab

Die Universität zu Lübeck als "Anhängsel" einer Kieler Landesuniversität? "Nein", heißt es dazu deutlich aus dem Rathaus der Hansestadt und der, den Bürgermeister Bernd Saxe damit anspricht, ist der Präsident der Schleswig-Holsteinischen Unternehmensverbände, Hans-Heinrich Driftmann. Dieser hatte in der vergangenen Woche mit seinem Vorschlag, im Rahmen einer Neuordnung der Hochschullandschaft der Lübecker Uni die Eigenständigkeit zu nehmen, für Alarmstimmung in der Hansestadt gesorgt. "Die Universität mit ihren rund 5300 Mitarbeitern ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Stadt, das wäre so, als würden wir morgen den Lübecker Hafen dicht machen", sagte Saxe in einem Pressegespräch.

Nicht nur deshalb wehren sich Lübeck und die Region gegen den Driftmann-Vorschlag: "Seine Idee geht in die falsche Richtung. Das Land braucht nicht zwei zentralisierte Apparate, die allein wegen ihrer Größe unbeweglich sind und zu ihrer Steuerung einen ineffektiven Wasserkopf aufbauen", sagte Saxe. "Notwendig sind dezentrale Hochschulstandorte mit Einrichtungen, die in der Region verwurzelt sind und mit den Unternehmen, mit Politik und Verwaltung auch bei der Erneuerung der regionalen Wirtschaftsstruktur eng zusammenarbeiten."

Pikante Randnote

Nicht verkneifen konnte sich Saxe dabei den Hinweis auf eine pikante Randnote: "Bei der Entwicklung des Hochschulstadtteils gab es einen städtebaulichen Wettbewerb - und in der Jury saß Ministerpräsidentin Heide Simonis." Saxe ist sich zugleich aber auch sicher, daß die Regierungschefin "die Tradition der Unterstützung für Forschung und Lehre in Lübeck fortsetzen wird".

"Eine Entscheidung darüber, wo künftig der Verwaltungssitz ist, kann nicht in einem Aufsichtsrat fallen - das ist Sache des Landtages und der Landesregierung", sagte Saxe. Der Präsident der Unternehmensverbände mache sich "zum Lobbyisten der Landeshauptstadt und ihrer Christian-Albrechts-Universität". Hans-Heinrich Driftmann ist zugleich Lehrbeauftragter an der Kieler Uni und Mitglied des Beirats. Gleichzeitig bezweifelte der Bürgermeister, daß Driftmann im Interesse des gesamten Landes Schleswig-Holstein spreche, "in seiner Funktion als Präsident der Unternehmensverbände ist er dem gesamten Land verpflichtet und nicht nur einzelnen Regionen."

Die Finanzlage des Landes, so hatte Driftmann argumentiert, lasse den Luxus einer breit gefächerten Hochschullandschaft nicht zu. "Das ist unseriöse Stimmungsmache", meinte auch der Rektor der Lübecker Professor Alfred Trautwein. Mehrere Vertreter der Lübecker Wirtschaft bestätigten dem Uni-Rektor ebenfalls, daß Hans-Heinrich Driftmann keineswegs die Meinung der Wirtschaft des gesamten Landes vertrete.

Einer Meinung, der sich zwischenzeitlich auch Kiels Oberbürgermeister Norbert Gansel angeschlossen hat. "Nur die Christian-Albrechts-Universität bietet als Voll-Universität die unabdingbare Zusammenarbeit mit allen Fachdisziplinen und sichert das Medizin-Studium zu volkswirtschaftlich vertretbaren Kosten - da kann Lübeck nicht weiter gegenanlaufen", hatte Gansel Ende vergangener Woche kundgetan und gleich noch nachgelegt: "Es wird versucht, von Lübeck aus Druck auf Landtag und die Erichsen-Kommission auszuüben."

Saxe: Keiner übt Druck aus

"Unsinn", kommentierte Bürgermeister Bernd Saxe, "niemand hat versucht, Druck auszuüben." Die Erichsen-Kommission hat seit mehreren Monaten alle Hochschulen des Landes unter die Lupe genommen und will Anfang kommenden Jahres Empfehlungen darüber geben, wo und wie Kräfte gebündelt und Doppelangebote abgebaut werden sollten.

M.R.

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