Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 26. April 2019

Ausgabe vom 29. Oktober 2002

"Stärker an Wünschen orientiert"

Vor zehn Jahren entstand das Betreuungsgesetz: Informationswoche ab 31. Oktober

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Wer auf Hilfe angewiesen ist, braucht nicht zwangsläufig eine Betreuung in allen Angelegenheiten; Foto: C. Przywara

Die Entrechtung durch die Vormundschaft volljähriger Menschen gibt es seit 1992 nicht mehr. Denn an die Stelle der Vormundschaft und der Gebrechlichkeitspflegschaft ist damals die Betreuung getreten. Seitdem existiert die städtische Betreuungsstelle, die eng mit dem Verein für Betreuung und Selbstbestimmung zusammenarbeitet. Zum Thema "Zehn Jahre Betreuungsgesetz in Lübeck" haben sie eine Informationswoche organisiert (Programm siehe unten).

"Das alte Vormundschaftsrecht hat fast 100 Jahre unverändert bestanden", berichtet Silke Krüger, Mitarbeiterin der Betreuungsstelle. "Das neue Recht ist im Gegensatz zum alten stark an den Wünschen und Bedürfnissen des Betreuten orientiert." Die Betreuung soll nicht das ganze Leben umfassen, sondern nur die Dinge, zu denen der Betreute selbst nicht in der Lage ist, wie zum Beispiel Rentenangelegenheiten und Gesundheitsfürsorge.

Voraussetzungen

Ehe jemand überhaupt einen Betreuer bekommt, sind bestimmte Voraussetzungen maßgebend: Er muß an einer psychischen Erkrankung oder einer geistig, seelischen oder körperlichen Behinderung leiden und aufgrund dieser Erkrankung oder Behinderung Teile seiner Angelegenheiten nicht allein regeln können; und es muß klar sein, daß er diese Angelegenheiten nicht anders als durch die Bestellung eines rechtlichen Betreuers regeln kann.

Ansonsten ist jeder automatisch mit seinem 18. Geburtstag für sich selbst verantwortlich. Ist jemand aber beispielsweise durch einen Unfall nicht mehr voll handlungsfähig, kann das Vormundschaftsgericht einen Betreuer bestellen. "Es sei denn, der oder die Betroffene hat im Vorfeld bereits eine Person seines Vertrauens für den Ernstfall bevollmächtigt. Dazu rät Silke Krüger dringend: Im eigenen Interesse, aber auch, weil sich dadurch kostenintensive Betreuungsverfahren vermeiden ließen.

Zahl der Betreuungen steigt

Denn die Zahl der Betreuungen und damit auch der Betreuungsverfahren steigt stetig. Im Januar 1992 gab es in Lübeck noch 2209 Betreuungen, 1997 waren es bereits 2590 und zu Beginn dieses Jahres hatten 3976 Lübeckerinnen und Lübecker einen rechtlichen Betreuer. "Das ist im Bundesdurchschnitt relativ hoch", erläutert Silke Krüger. "Aber die Leute werden immer älter, Lübeck hat auch einen relativ hohen Altersdurchschnitt. Hinzu kommen die zwei großen Behinderteneinrichtungen Vorwerk und Marli." Zudem sei die Akzeptanz, eine Betreuung und nicht eine Entmündigung zu beantragen, wesentlich größer.

Zu den Aufgaben der neun Teil- und Vollzeitkräfte der Betreuungsstelle gehören unter anderem Sozialberichte für das Gericht, die sich damit befassen, ob und in welchem Umfang Betreuungen notwendig sind. Sie überprüfen und benennen geeignete Betreuer, übernehmen selbst besonders schwierige Betreuungen, organisieren Fort- und Weiterbildungen für Ehrenamtliche. Sie sind bei der Vermittlung sozialer Hilfen und ambulanter Dienste behilflich, wenn dadurch eine Betreuung vermieden werden kann, unterstützen den örtlichen Betreuungsverein, führen ehrenamtliche Betreuer und Betreuerinnen in ihre Aufgaben ein und begleiten sie auch weiterhin. "Wir, nämlich der Verein und die Betreuungsstelle, informieren gerne über Vorsorgevollmachten und sind offen für alle, die sich sozial engagieren wollen", so Silke Krüger. "Bei allem

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