Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 27. Juni 2019

Ausgabe vom 12. November 2002

"Prozeß in Gang halten"

Friz Fischer, Expertin für Stadtmarketing, über Chancen der Außenwerbung

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Friz Fischer: "Das Besondere Lübecks muß noch mehr herausgearbeitet werden."; Foto: Privat

Was ist eigentlich genau mit Außenwerbung gemeint? Die Werbung jedes einzelnen Geschäfts oder die der Hansestadt in ihrer Gesamtheit?

Außenwerbung meint eigentlich alles, was man auf der Straße wahrnimmt. Das fängt beim Kanaldeckel an und geht über Stadtmobiliar und Straßenbeleuchtung bis zur Unternehmenswerbung an den einzelnen Geschäften. Letztlich ist jedes einzelne Haus ein Werbeträger.

Inwiefern ist ein Haus Werbeträger?

Wenn man durch Lübecks Altstadt geht, dann erkennt man an der baulichen Qualität der Fassaden, wer diese Menschen waren, die die Häuser errichten ließen. Die Kaufleute haben die Stadt groß gemacht. Ihre Häuser waren nicht nur Ausdruck ihren Wohlstandes, sondern die Qualität ihrer Häuser warb auch für die Qualität ihrer Geschäfte. Das ist auch heute noch so. Die Architekturqualität heute gebauter Firmensitze ist deutlicher Ausdruck der Unternehmens-identität nach draußen.

Warum ist die Darstellung einer Stadt nach außen so wichtig?

Genau wie der Einzelhandel stehen die Städte heute viel mehr im Wettbewerb als früher. Sie sind heute einem ganz anderen Konkurrenzdruck ausgesetzt. Einzelhandel und Stadt haben, wenn Sie so wollen, also die gleichen Interessen. So wie der Unternehmer seine Besonderheit nach draußen darstellen muß, muß auch die Stadt ein eigenständiges Profil nach draußen entwickeln und damit werben.

Sie haben in Vorbereitung der Podiumsdiskussion Lübeck besucht und Streifzüge durch die Innenstadt unternommen. Wie steht es um Lübecks Außenwerbung?

Auf den ersten Blick macht die Außenwerbung größtenteils einen recht guten Eindruck, von einigen Ausreißern abgesehen, die es überall gibt. Lübeck hat einiges an Erlebnisqualität beim Stadtbummel zu bieten. Auch wenn die Gewerbetreibenden klagen, der Umsatz gehe zurück, Kunden wandern ab - das ist kein spezifisch Lübecker Problem. Die Ursachen dafür sind wesentlich komplexer.

Gibt es Beispiele von Außenwerbung, die Ihnen in Lübeck besonders positiv oder negativ aufgefallen sind?

In der Hüxstraße gibt es Beispiele für kreativen und sensiblen Umgang mit Werbung. Man muß sich einmal bewußt machen, daß der Blickbereich des Menschen, je enger eine Straße ist umso eingeschränkter ist. Viele Werbeanlagen werden überhaupt nicht wahrgenommen, wenn sie außerhalb der Sichtachse liegen oder wahrnehmungspsychologisch nicht erfaßt, wenn sie zu groß sind. Das Puppentheater ist ein weiteres positives Beispiel. Die Puppen in den Fenstern sind die besten Werbeträger.

Und Schandflecke haben Sie keine entdeckt?

Doch sicher; zum Beispiel Aufstellermassen auf den Bürgersteigen behindern, lenken vom eigentlichen Geschäft ab und schaden eher dem Image.

Auf was kommt es an, damit eine Stadt im besten Licht erscheint? Was muß in Lübeck passieren, um die Außenwerbung zu verbessern?

Lübeck ist eine Stadt mit Lebensqualität, Hansestadt, Weltkulturerbe, Bildungsstandort, die Stadt Thomas Manns - das sind nur einige Pfunde, mit denen Lübeck wuchern kann. Daraus resultieren unterschiedliche Erwartungen der Zielgruppen, an die sich unsere Werbung richtet. Alle sollten sich darüber bewußt sein, dies erkennen und gemeinsam strategisch damit umgehen. Ich denke, es muß noch mehr herausgearbeitet werden, was das Besondere ist und wie man damit konzertiert werben kann, um sich von anderen abzuheben.

Durch wen oder was könnte das geschehen?

Ein gutes Mittel sind zum Beispiel Workshops, in denen Stadtverwaltung, Einzelhandel, Archtitekten, Designer und Werbeanlagenbauer gemeinsam klären, was in der Außenwerbung möglich und sinnvoll ist. Eine Kontinuität in der bereits existierenden Leitbilddiskussion ist nötig. Gestaltungsrichtlinien müßten eigentlich das Anliegen aller sein, denn sie können Schlimmstes verhindern, aber sie sollten nicht verordnet werden, denn dann fühlen sich die Leute gegängelt. Wichtig ist, einen Prozeß in Gang zu halten, Leute zu gewinnen, daß sie sich als Einheit begreifen, damit eine Lobby entsteht. Die Selbstorganisation der unterschiedlichen Straßenwerbegemeinschaften in Lübeck ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung, genauso wie der in Planung befindliche Gestaltungsbeirat oder die Podiumsdiskussion, die von der Verwaltung initiiert ist. So gibt es eine Reihe von guten Ansätzen in der Stadt, die "nur" intensiviert werden müssen.

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