Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 15. Dezember 2009

Halbgott in Grün

Autorin: Dr. Michaela Blunk

FDP

Um den scheidenden Oberförster der Stadt schaffen er selbst und seine Anhänger eine geradezu heilige Atmosphäre. Die "naturnahe Waldbewirtschaftung" wird mit aggressiver Absolutheit als die einzig selig machende dargestellt. Die vielen anders denkenden Fachleute werden als Raubritter und Dummköpfe diffamiert, denen man entweder ausfallend begegnet oder lieber ganz aus dem Weg geht. Abschiedsfeiern werden von einschlägigen Verbänden ausgerichtet. Bei der verteilten Lobeshymne auf dem Papier des Bundesamtes für Naturschutz hat ganz eindeutig der Ober-Förster selbst die Hand geführt. Auch Zertifizierungen nach selbst erstellten Kriterien passen in diese Reihe. Dabei bestreitet niemand, dass das Konzept einige ökologisch positive Elemente enthält. Aber denen sehen Fachleute auch erhebliche - bei weitem nicht nur wirtschaftliche - Nachteile gegenüber. Wie das Bundeswaldgesetz allgemein, stellt auch die FDP für den Lübecker Wald Wirtschaftlichkeit, Erholung und Umwelt gleichberechtigt neben einander. Die immer wiederkehrende Behauptung, dass das "Fähser-Konzept" 50 Euro pro ha Wald Gewinn erzielt, wurde nie belegt. Wenn einschlägige Verbände, SPD und Grüne Wünsche nach wirtschaftlichem Erfolg regelmäßig verurteilen, geben sie zu, dass auch sie nicht an diese Mähr glauben. Die Liberalen wollen nicht, dass ein/e Nachfolger/in per Bürgerschaftsbeschluss gezwungen wird, ein derart umstrittenes Konzept kritiklos zu übernehmen. Wir wollen z.B. auch mit offenem Ergebnis darüber nachdenken dürfen, ob eine gemeinsame Bewirtschaftung mit Lauenburg der Hansestadt Vorteile bringen kann.

V.i.S.d.P.: Thomas Schalies

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