Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 23. Mai 2019

Ausgabe vom 14. April 1998

"Umweltpolitik über Parteigrenzen hinweg"

Interview: Dr. Beate Hoffmann über ihre Arbeitsschwerpunkte, ihre Ziele und ihre Wünsche

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Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann will sich in ihrer Arbeit stark an den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger orientieren; Foto: T. Wewer

Eine "bürgerorientierte Umweltpolitik" hat sich die neue Umweltsenatorin
Dr. Beate Hoffmann (parteilos) für ihre Tätigkeit in der Hansestadt vorgenommen. Ein erstes Signal dafür soll der "1. Lübecker Frühjahrsputz" am 25. April sein. Aber die promovierte Biologin und Juristin hat noch ein anderes Ziel: Im SZ-Interview bekundet sie ihr Interesse, bei den Bürgermeisterwahlen im kommenden Jahr gegen Amtsinhaber Michael Bouteiller anzutreten.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrem neuen Amt?

Die Frage kommt etwas verfrüht. Ich bin dabei, mir einen Einblick in meinen Fachbereich zu verschaffen und mich mit dem Team abzustimmen. Aber soviel kann ich sagen: Wichtig ist mir, die Bürgerinnen und Bürger in möglichst viele Entscheidungen mit einzubinden, Probleme konkret vor Ort zu besprechen und alle Betroffenen an einen Tisch zu holen. Aufgabe der Verwaltung ist dabei Vorsortierung der Probleme, Unterstützung des Bürgerwillens und das Angebot fachlicher Hilfestellung.

Wichtig ist die Frage, wie man mehr Grün ins Stadtbild bekommen kann. Zu diesem Thema plane ich, angeregt durch eine Podiumsdiskussion, eine Vortragsveranstaltung zum Thema "Lübecker Kulturlandschaft". Desweiteren plane ich, gemeinsam mit Eltern und Kindern ihren Wünschen entsprechend Spielplätze zu gestalten oder umzugestalten.

Eine konkrete Aktion kann ich Ihnen auch nennen: Am 25. April wird es zum ersten Mal einen "Lübecker Frühjahrs- putz" in unserer Stadt geben, eine partnerschaftliche Aktion zwischen Stadtreinigung und Bürgern: Im Ergebnis eine neue Sauberkeit und ganz viel Spaß für alle Beteiligten.

Was können Sie von Potsdam auf Ihren neuen Wirkungsort übertragen?

Ich übertrage kein Konzept von Potsdam nach Lübeck. Die Voraussetzungen sind auch zu unterschiedlich: In Potsdam mußten Aktivitäten häufig erst angeschoben werden, während es in Lübeck bereits eine große Zahl von Initiativen gibt, die manchmal nichts voneinander wissen. Hier sehe ich die Aufgabe, ein Netzwerk zu schaffen und alle Aktivitäten zu bündeln.

In Potsdam hatten Sie als Bürgermeisterin sehr viel Einflußmöglichkeiten. Was hat Sie bewogen, einen Schritt zurück zu machen und Umweltsenatorin zu werden?

Zunächst: Ich bin auch hier in Lübeck erste stellvertretende Bürgermeisterin. Insofern habe ich keinen Schritt zurück gemacht.

Zweitens: Lübeck ist ein Kleinod, es reizt mich, diese Stadt mit ihrer großen Vergangenheit - und ihrer Zukunft! -mitzugestalten.

Einige sehen Sie aufgrund Ihrer Wahl durch die Oppositionsparteien...

...waren die Grünen im Januar in der Opposition?...

...bereits als Gegenkandidatin zu Michael Bouteiller bei der Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt...

Wenn dieses Angebot sich verdichtet, werde ich es nicht ausschlagen.

Werden Sie dann ihre parteipolitische Neutralität aufgeben und sich einer Partei anschließen?

Ich glaube, daß man auch als parteilose Kandidatin viel erreichen kann, an Problemfronten manchmal sogar größere Akzeptanz findet.

Fühlen Sie sich denn den Parteien, die Sie zur Umweltsenatorin gewählt haben, in besonderer Weise verpflichtet?

Sicher. Aber nicht in der Weise, daß ich von den Parteien abhängig bin. Ich wurde aus fachlichen Gründen gewählt. Ich stehe für eine bürgerorientierte Umweltpolitik, die dem Wohl der Stadt dient, über die Parteigrenzen hinweg.

Nun hätte die SPD aber gern Frau Krautzberger behalten...

Ja, aber sie fand keine Mehrheit. Diejenigen, die mich nicht gewählt haben, werden Gelegenheit finden, sich durch meine pragmatische und sachorientierte Arbeit überzeugen zu lassen. Ich habe keine Berührungsängste zur Bürgerschaftsfraktion der SPD.

Wie schätzen Sie das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Bürgermeister ein?

Es ist verbesserungsbedürftig.

Was sagen Sie zum Dauerstreitthema Autobahn A 20?

Lübeck braucht eine Autobahnanbindung, besonders auch für die Hafen-Wirtschaft. Ich persönlich hätte die sogenannte Nordtrasse favorisiert, und zwar aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen. Es bleibt abzuwarten, wie das Bundesverwaltungsgericht entscheiden wird.

Forderungen, die Altstadt autofrei zu machen, scheitern am Widerstand der Wirtschaft. Wie löst man diesen Konflikt?

Eine autofreie Innenstadt ist zu begrüßen, wenn sie nicht zur Verödung der Innenstadt führt. Wenn Geschäfte schließen müssen, ist das fatal. Aus wirtschaftspolitischen Gründen und denen einer vitalen Urbanisierung ist es richtig, ein großes Kaufhaus in der Altstadt als Magnet zu haben. Das zieht Kaufkraft in die Innenstadt.

Es muß selbstverständlich sichergestellt sein, daß die Innenstadtgeschäfte störungsfrei mit ihren Waren beliefert werden können. Eine autofreie Innenstadt setzt voraus, daß ausreichende Parkmöglichkeiten rund um den Altstadtkern vorhanden sind. Dazu gehört ein Parkleitsystem, zu dem sich Lübeck entscheiden sollte.

Zum Schluß noch eine persönliche Frage: Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit hier in Lübeck?

Ich wünsche eine lebhafte, urbane Hansestadt mit Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Stadt lieben; auch weil diese Stadt ihre Durchmischung mit Stadtgrün findet und in eine vielgestaltige Landschaft eingebettet ist.

Ich wünsche mir engagierte Mitarbeiter, die mit Freude an ihre Arbeit gehen. Und ich wünsche mir eine Bürgerschaft, die große politische Kraft besitzt. Dann wird sie sich den wichtigen Aufgaben mit Erfolg stellen.

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