Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 24. Mai 2019

Ausgabe vom 11. Februar 2003

Die Jugend und die Politik

Von wegen politikverdrossen - Jugendliche wissen, worauf es ihnen ankommt

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Yannic Ott: Politiker sollen sich in Schulen vorstellen

Yannic Ott fehlt noch der rechte Durchblick in Sachen Kommunalpolitik. Der 18jährige darf am 2. März zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl sein Kreuz auf dem Stimmzettel machen, doch: "Ich weiß nicht, ob ich wählen gehe. Das ist alles so undurchsichtig." Er findet, die Kommunalpolitiker kümmern sich zu wenig um junge Leute. "Die sollten in die Schulen gehen, sich vorstellen. Auf den Plakaten steht doch nichts drauf. Da steht nichts über ihre Ideen, für die sie einstehen", kritisiert der Schüler der Dorothea-Schlözer-Schule. Mitschülerin Annett Asmussen hingegen geht ganz sicher wählen. Die 22jährige Mutter zweier Kinder weiß genau, was ihr wichtig ist. "Es gibt zu wenig Kindergartenplätze", und sowieso seien die viel zu teuer, kaum bezahlbar. "Wenn ich meine Kinder nicht unterbringen kann, wie soll ich dann arbeiten gehen?" Zudem fordert sie mehr soziale Anlaufstellen. "Davon profitieren Bürger und Obdachlose." Sie wolle Obdachlose nicht "entsorgen", sondern ihnen helfen. "Sie brauchen ein Café, einen Ort, wo sie hingehen können, um zu duschen, ihre Wäsche waschen oder zwanglos mit anderen reden", so könnten Wege aus der Misere gezeigt werden, meint die junge Frau.

Anna Peschel, ebenfalls Schülerin der Dorothea-Schlözer-Schule, liegen Themen wie die Attraktivität der Innenstadt am Herzen. "Die muß interessanter werden. Wer kauft denn in der Lübecker City noch ein? Die meisten fahren nach Hamburg oder ins Gewerbegebiet", meint die 18jährige. Kommunalpolitiker sollten den Einzelhandel unterstützen und zusehen, daß der Verkehr in und um Lübeck besser fließt: "Wegen der Baustellen steht man dauernd im Stau und kommt zu spät in die Schule."

"Ja natürlich gehe ich wählen. Das ist ein Muß", meint Simon Semeradt vom Katharineum zu Lübeck, der sich selbst als politisch interessierten Menschen bezeichnet. Kommunalpolitiker sollten sich vor allem für die Bildung an Schulen einsetzen. "Wir haben zum Teil völlig veraltete Bücher", so der 16jährige. Schüler arbeiteten in ein und derselben Klasse mit unterschiedlichen Ausgaben und: "In unseren Erdkunde-Büchern ist Deutschland noch geteilt." Außerdem laufe kulturmäßig für die Jugend zu wenig. "Die Stadt muß sich engagieren und die Voraussetzungen für Konzerte schaffen." Bekannte Bands, gleich welcher Musikrichtung, spielten in Kiel und Hamburg, nicht aber in Lübeck, kritisiert er.

Der 17jährige Hanno Wißkirchen sieht das ganz genauso. Der Schüler, der froh ist, endlich wählen zu dürfen - "17 Jahre habe ich zugeguckt" - meint, Lübeck biete kulturell viel für Erwachsene, Junge blieben auf der Strecke. "Man könnte eine Skaternacht veranstalten, sperrt alle Straßen und gibt sie frei für ihre Bewohner", begeistert sich der Schüler. Das wäre ein Abend, wo richtig was los wäre in Lübeck, "und das lockt doch auch andere".

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