Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 23. Mai 2019

Ausgabe vom 11. Februar 2003

"Wir bauen es wieder auf

Slawisches Haus auf Bauspielplatz Roter Hahn ging in Flammen auf

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Das slawische Haus ist nur noch eine Ruine.;Foto: N. Neubauer

"Wir bauen das Haus wieder auf. Davon lassen wir uns doch nicht kleinkriegen", sagt Jörn Puhle, pädagogischer Mitarbeiter des Vereins Baupielplatz Roter Hahn in Kücknitz. Am Sonntag, 2. Februar, gegen halb fünf in der Früh, stand das slawische Blockhaus, das Herzstück des Bauspielplatzes, in Flammen, brannte lichterloh. Ein Anwohner alarmierte die Polizei, die Feuerwehr rückte aus und rettete, was zu retten war: Nur ein Gerippe steht noch an der Stelle, an der im letzten Sommer noch Kinder übernachteten, Geburtstage feierten und eine Ahnung davon bekamen, wie Menschen vor rund 1000 Jahren lebten."Das war eine vorsätzliche Aktion", ist sich Puhle sicher, zumal ein klatschnasses, mit
Reet gedecktes Haus nur schwer in Brand zu setzen ist, wenn man nicht gerade einen Brandbeschleuniger zur Hand habe.

Einnahmeverluste

Das slawische Haus hatten ungezählte Kinder innerhalb von Projekttagen in Schulen oder innerhalb von Ferienpaß-Aktionen ab Sommer 2000 in mühevoller Arbeit aufgebaut. Ein Jahr lang zimmerten sie an dem vier mal dreieinhalb Meter großen Haus herum, verarbeiteten 140 Lärchenstämme, deckten das Dach mit Reet. Die Vorlage dazu lieferte ihnen ein Ausgrabungsfund in Kücknitz. "Agil", das Lüneburger Büro für Angewandte Archäologie, begleitete das Projekt, das Teil des vom Verein initierten Schulprogramms "Wikinger, Slawen und Deutsche" ist. Auch Erwachsene und Institutionen machten sich stark, so finanzierten die Sparkasse zu Lübeck, der TSV Siems und die Innung der Schornsteinfeger das Material für das Haus.

Die Polizei beziffert den Schaden des Brandes auf rund 16 000 Euro. Hinzu kommen Einnahmeverluste, denn der Verein vermietete das Blockhaus zum Beispiel für Kindergeburtstage. Weit mehr noch als der materielle und wirtschaftliche dürfte allerdings der ideelle Schaden wiegen. "Die Kinder sind entsetzt und schockiert", sagt Puhle. Traurig, daß jemand ihre mühevolle Arbeit, die ihnen viel Spaß machte, innerhalb von kürzester Zeit dem Erdboden gleichmachte.

Daß es sich um einen Brand-anschlag handelt, bestätigt die Polizei zwar nicht. Doch: "Von unserer Seite kann man Brandstiftung sicherlich nicht ausschließen und dahingehend laufen auch unsere Ermittlungen", so Polizeisprecher Frank Doblinski.

Wann das Herzstück wieder aufgebaut wird, ist unklar, denn erst einmal müssen Sponsoren gefunden werden. Puhle hofft noch in diesem Jahr mit den Arbeiten beginnen zu können. "Erstmal bleibt die Ruine als Mahnmal stehen."

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