Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 22. Juni 2018

Ausgabe vom 18. März 2003

Sonnenplatz an der Brücke

Hansestadt saniert Wallanlagen bei Puppenbrücke - Bereich wird attraktiver

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Im nächsten Frühjahr soll der sonnige, umgestaltete Platz unterhalb der Puppenbrücke Besucher und Lübecker zum Verweilen einladen.; Zeichnung: Bereich Stadtgrün

Puppenbrücke, Holstentorplatz, Holstentor - der Eingangsbereich zur Lübecker Altstadt ist zweifelslos attraktiv. Im nächsten Jahr soll er noch schöner sein und Besuchern wie Lübeckern mehr Aufenthaltsqualität bieten: Der Bereich Stadtgrün hat in der vergangenen Woche begonnen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen und Birken der Wallanlage im Bereich Puppenbrücke gefällt: Unterhalb der Brücke soll, stadteinwärts rechts gesehen, ein halbkreisförmiger Platz mit Bänken entstehen.

"Wir wollen den freien Blick aufs Wasser wiederherstellen", erläutert Andreas Tilch vom Bereich Stadtgrün und zuständig für die Umgestaltung. Die Brückensituation solle mehr herausgearbeitet und die Wallanlagen als historische Anlagen erkennbarer werden. Der Platz, der bei wolkenlosem Himmel die komplette Nachmittagssonne abbekommt, biete Ruhe, denn er ist rund fünf Meter unterhalb der Hauptstraße gelegen. "Vom Straßenlärm hört man hier unten wenig."

Überlegungen, die Wallanlagen, die sich von der Südspitze der Altstadt bis zur Krähenstraße strecken, umzugestalten, gibt es schon lange. Rainer Wirz, Leiter des Bereichs Stadtgrün und Friedhöfe: "Bisher fehlten die finanziellen Mittel." Zudem waren die bisherigen Pläne nicht in ein Gesamtkonzept eingebunden.

Die Lübecker Wallanlagen, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert reicht, sind als Bestandteil der Altstadt zugleich UNESCO-Weltkulturerbe und Bodendenkmal. Namhafte Persönlichkeiten wie Peter Joseph Lenné (1789-1866), der unter anderem die Gärten Sanssoucis in Potsdam entwarf, sowie der Lübecker und später Berliner Gartendirektor Erwin Barth (1880-1933), waren an der Gestaltung der Anlagen beteiligt. Barth hatte Anfang des 20. Jahrhunderts (1908-1911) an der Puppenbrücke zwei halbkreisförmige Plätze, sogenannte Bastionen, zur Verschönerung geschaffen.

Die beiden Bastionen sollen weitestgehend - sofern es die geänderte Straßenführung zuläßt - wiederhergestellt, eine dritte am Wasser geschaffen werden.

Basierend auf einem Gutachten einer Hamburger Firma zu den Lübecker Wallanlagen entwickelte der Bereich Stadtgrün nun das Konzept mit dem Ziel, die Wallanlagen aus gartendenkmalpflegerischer Sicht zu erhalten und wiederherzustellen. Um dies zu erreichen, mußten zunächst die Birken weichen, die sich nach dem Krieg dort angesät hatten. Die rund 135 000 Euro teure Maßnahme, die die Possehl-Stiftung übernimmt, stellt den ersten von elf Bausteinen zur Umgestaltung der Wallanlagen dar. Sie soll bis zum kommenden Frühjahr in 2004 abgeschlossen sein.

In welchem Zeitraum weitere Areale der ehemaligen Wehranlagen neu gestaltet werden, ist abhängig von finanziellen Mitteln.

GARTENARCHITEKT ERWIN BARTH

Erwin Barth ist unter Liebhabern von Gärten und Parks kein Unbekannter: Der Gartenarchitekt, 1880 in Lübeck geboren, absolvierte seine Ausbildung in Lübeck und Elmshorn und beendete sie 1900 an der Königlichen Gärtner-Lehranstalt in Potsdam-Wildpark. Von 1908 bis 1911 arbeitete er als Stadtgärtner in Lübeck, im Anschluß ging er nach Charlottenburg, stieg zum Stadtgärtner von ganz Berlin auf. Barth lehrte an der Technischen Hochschule Charlottenburg und wurde schließlich Direktor des Instituts für Gartengestaltung, das als deutschlandweit erste wissenschaftliche Ausbildungsstätte für Gartenarchitekten an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin eingerichtet wurde. Der Lübecker, dessen Parks und Anlagen noch heute das Stadtbild Berlins prägen, schuf keine Schmuckgärten zum Lustwandeln, sondern grüne Oasen, in denen die Bevölkerung Erholung fand.

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