Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 25. Juni 2019

Ausgabe vom 01. Juli 2003

Eine Terrasse für alle

Lübecker Landschaftsarchitekt gewinnt Ideenwettbewerb "Westlicher Altstadtrand"

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Der westliche Altstrand soll Terrasse für alle werden. ; Foto: N. Neubauer

Der Bereich Obertrave, Untertrave und der angrenzende Hafen haben zweifelsohne Charme. Doch wer nimmt den angesichts des enormen Verkehrs an der Untertrave wahr? Das soll jetzt anders werden, der erste Schritt dazu ist bereits getan: Bausenator Franz-Peter Boden (SPD)hat am Mittwoch die Preisträger des städtebaulichen Ideenwettbewerbs "Westlicher Altstadtrand - Umgestaltung Ober-/Untertrave" in der Alten Feuerwache des Johanneums bekanntgegeben: Der erste Preis geht an den Lübecker Landschaftsarchitekten Teja Trüper.

Trüper schwebt für den Altstadtrand eine Art Stadtterrasse vor. "Hier präsentiert sich die Stadt mit ihrer Kultur und ihrer Geschichte", sagte er. Die Geschichte Lübecks, vom Salzumschlag bis zum heutigen Hafen solle für den Passanten bei einem Streifzug entlang der Trave wahrnehmbar sein. Für den Bereich Obertrave sieht der Architekt mehr Außengastronomie vor, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Touristen und Lübecker sollen auf schwimmenden Pontons auf der Trave sitzen und von dort auf die Salzspeicher blicken können. Zudem sollen nach Trüpers Plänen eine Freifläche vor der Musikhochschule und eine Fußgängerbrücke, die von der Musikhochschule über die Trave zum Parkhaus an der Possehlstraße führt, entstehen. Der Bereich vom Holstentor zur Drehbrücke soll sich zu einer Flaniermeile nach französischen Vorbild mausern. Das heißt, Autos werden in ihrer Bedeutung zurückgedrängt, das Verweilen und Spazieren entlang am Traveufer tritt in den Vordergrund. Kleine Pavillons, Kioske, Cafés sollen die Untertrave säumen. Für den Museumshafen schwebt Trüper eine zweite Promenade vor, die den Blick auf die historischen Schiffe von beiden Seiten ermöglicht.

"Der Auslober ist mit der Qualität der Arbeiten mehr als zufrieden", sagte Bausenator Boden bei der Bekanntgabe der Preisträger vor rund 80 Gästen. Die Aufgabenstellung sei komplex gewesen, denn es galt, drei unterschiedliche Stadträume zu gestalten, unterschiedlichste Einzelprobleme zu lösen. Zwei Dinge spielten für die Entscheidung der Jury eine wesentliche Rolle: Welche Arbeit läßt sich abschnittsweise realisieren und welche verträgt Modifikationen, ohne daß ihre Hauptidee scheitert? Aus Sicht der Jury hat der Entwurf von Teja Trüpers diese Anforderungen am besten erfüllt.

"Die Grundsätze des westlichen Altstadtrands werden in der Arbeit richtig erkannt und auf eigenständigeWeise überzeugend umgesetzt", heißt es in der Begründung des Preisgerichts, dem Fachleute und Vertreter der Anwohner und Geschäftstreibenden von Ober- und Untertrave angehörten. "Zum einen gelingt es, die Verflechtung von der Innenstadt zum Wasser über die Rippenstraßen und Gassen aufzuzeigen, die Sicht auf das Wasser freihaltend. Zum anderen sind die Orientierungen in Längsrichtung entlang der Trave abschnittsweise individuell herausgearbeitet." Der Entwurf ermögliche vielfältige Nutzungsmöglichkeiten "für Alle". An Teja Trüper, an dessen Entwurf auch "Petersen Pörksen Partner Lübeck" und "Atelier.10 Hochgürtel + Lohse" mitarbeiteten, geht ein Preisgeld von 17 000 Euro. Den zweiten Preis machte Levin Monsigny, Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH in Berlin (10 000 Euro), den dritten Professor Dirk Junker, IPL-Landschaftsarchitekten in Hamburg (6750 Euro).

"In Offenheit liegt Stärke"

"Ich teile das Votum der Jury", sagte Jurymitglied Dr. Volker Zahn. DerEntwurf habe eine große Realisierungschance. Gerade in der Offenheit des Konzeptes liege seine Stärke, zudem arbeitete der Entwurf die "Postkartenseite" Lübecks noch mehr heraus. "Die Fußgängerbrücke muß zwingend realisiert werden", meinte der ehemalige Bausenator. "Die Preisverteilung ist in Ordnung", meinte auch Denkmalpfleger Dr. Siewert. Der Entwurf Trüpers lasse Spielraum. "Er schreibt die Dinge nicht so fest", lobte er und übte zugleich Kritik: "Den Malerwinkel würde ich nicht gern durch Bäume verstellt haben wollen." "Nun gilt es, die Ideen im Haushalt der Hansestadt zu verankern", sagte Boden, die Verwaltung werde sich dafür massiv einsetzen.

Die Umgestaltung des westlichen Randbereichs der Altstadt im Verlauf der Ober- und Untertrave wird eine der umfangreichsten Baumaßnahme sein, die in den kommenden Jahren auf der denkmalgeschützten Altstadtinsel realisiert werden soll. Eine der Voraussetzungen ist der Bau der Nordtangente. Ziel des im März ausgelobten Wettbewerbs war die Entwicklung eines gesamträumlichen Konzeptes für die Umgestaltung der Straßenräume, die der Bedeutung des Straßenzuges für die Altstadt als europäisches Kulturerbe Rechnung tragen.

Ausstellung bis 5. Juli

Die 14 Wettbewerbsbeiträge sind bis einschließlich Sonnabend, 5. Juli, in der Alten Feuerwache des Johanneums ausgestellt (montags bis freitags von 13 bis 19 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 16 Uhr).

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