Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 01. Juli 2003

Von Fischern und Bierbrauern

Wohnen im Baudenkmal - Serie zum Tag des offenen Denkmals am 14. September

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Hereinspaziert: Bernd Lammel ffnet am Tag des offenen Denkmals die Tür seines denkmalgeschützten Hauses Foto: N. Neubauer

Sie knarzt und knarrt, sie ächzt fast ein wenig, wenn jemand die Stufen hinaufgeht oder hinunterkommt. Die Treppe ist eben alt, so richtig alt. "Wenn man bedenkt, daß über 200 Jahre schon die Leute da `rauf und runter gelaufen sind", sagt Bernd Lammel, "das gibt einem ein spezielles Gefühl." Seit 13 Jahren nun schon gehen der Arzt, seine Frau und die vier Kinder in dem denkmalgeschützten Haus An der Obertrave 39 die Treppen `rauf und runter. Das Knarzen der Treppe, die schiefen Stufen, die krummen Wände oder der ganz spezielle Geruch, den alte Häuser ausströmen, stört die Familie nicht. Im Gegenteil. In einem so alten Haus zu wohnen verschafft eine gewisse Atmosphäre. "Wenn man sich vorstellt, daß die Leute schon zu Goethes Zeiten hier gelebt und gewohnt haben - da kommt man ins Denken, daß es eine Kontinuität gibt", sagt er. "Hier war immer Leben."

Allerdings, damit er mit seiner Familie in dem Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert leben konnte, mußte das Haus erst einmal vollständig saniert werden. Viel Arbeit war das. Zumal die Denkmalschützer bei der Sanierung eines solchen Gemäuers ein Wörtchen mitzureden haben, sich einmischen, wenn es darum geht, bestimmte Neuerungen zu installieren. "Wir hätten damals gern ein weiteres Fenster nach hinten raus gehabt", erinnert sich Lammel. Und auch das Ockergelb der Außenfassade, das dem vormaligen Rokoko-, vielleicht auch Biedermeier-Zustand entspricht, gefiel der Familie anfangs nicht. Letztlich aber habe man sich mit den Kompromissen gut arrangiert. "Man muß sich erst einmal in die Geschichte eines alten Hauses hineindenken."

Wenig ist bekannt

Viel ist jedoch nicht über die Geschichtes des Baudenkmals bekannt. Nach Unterlagen des Bereichs Denkmalpflege hat es auf dem Grundstück erstmalig 1409 eine Bebauung gegeben. Das heutige Gebäude ist Bestandteil einer Traufenhausreihe, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts sind Obergeschoß und Dachgeschoß neu errichtet worden, aus jener Zeit stammen auch die verzierte Haustür und die Treppe mit dem verspielten Geländer.

Unklar ist, wie das Haus, gelegen an Lübecks ehemaligem Binnenhafen, genutzt wurde. Eses ist umgeben von Häusern, in denen Stecknitzfahrer lebten. Vielleicht hat ein Stecknitzfahrer auch einmal in der Hausnummer 39 gelebt, vielleicht wurde hier aber auch ein anderes Gewerbe betrieben. Die charakteristische Diele, in der gearbeitet wird, und die Dornse, ein abgegliederter, beheizter Raum, der als Büro dient, deuten auf ein Gewerbe hin. "Ein Holzhändler vielleicht", meint Lammel, das würde die vielen Paneelen erklären. In dem Haus könnte aber auch eine Brauerei gewesen sein, denn in Unterlagen zum Haus findet sich der Hinweis, daß 1789 die Braugerechtigkeit erteilt wurde, also dort Bier gebraut werden durfte.

Das Erdgeschoß mit einer großzügigen Diele und der Dornse dient heute als Eingangshalle, Küche und Eßzimmer, in den oberen Stockwerken sind Badezimmer, Schlafzimmer und Kinderzimmer untergebracht. Daß die Familie in einem so geschichtsträchtigen Gebäude wohnt, ist ihr nicht immer bewußt. "Im Alltag verschwinden die Gedanken, in einem so alten Haus zu wohnen, im Unterbewußtsein. Das schlägt um in ein Wohlbefinden", meint Lammel.

TAG DES OFFENEN DENKMALS

Der Tag des offenen Denkmals am 14. September wird in diesem Jahr etwas ganz Besonderes sein für die Hansestadt Lübeck: Die offizielle zentrale Eröffnungsfeier findet in der Weltkulturerbestadt statt. Das heißt, die Hansestadt Lübeck erwartet zahlreiche Gäste, Vertreter und Vertreterinnen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Bundes- und Landesregierung.

Die Stadtzeitung startet zum Tag des offenen Denkmals eine Serie. Wir greifen das diesjährige Motto "Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal" auf und stellen in loser Folge einige jener Denkmale vor, die am Aktionstag zu besichtigen sind. Rund 65 Lübecker öffnen der

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