Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 15. Juli 2003

Im Unterholz lauern Blutsauger auf ihre Beute

Das Gesundheitsamt informiert, was bei einem Zeckenbiß zu tun ist und wie man sich schützen kann

Sie sind winzig, lauern im Grünen auf ihre Beute und können lebensbedrohliche Krankheiten übertragen: Zecken. Immer häufiger fragen Lübecker und Lübeckerinnen beim Gesundheits-amt nach, wie gefährlich die sogenannten Holzböcke eigentlich in unseren Gefilden sind. Wir nehmen dies zum Anlaß und informieren mit dem Gesundheitsamt zusammen über die Blutsauger.

Zecken zählen zu den Spinnentieren, sie leben bevorzugt an Waldrändern, Bach- und Flußauen und sind vom Frühjahr bis zum Spätherbst aktiv. Die Entwicklung der aus dem Ei schlüpfenden Zecke verläuft über die Larve zur Zecke. Eine Zecke legt, nachdem sie sich einmal mit Blut vollgesogen hat, mehr als 5000 Eier auf dem Erdboden ab. Entgegen dem verbreiteten Glauben, Holzböcke fielen von Bäumen, lauern sie hingegen auf Gräsern, Sträuchern und im Unterholz. Sie halten sich bis zu einer Höhe von etwa 1,30 Meter auf. In reinen Nadelwäldern gibt es selten Zecken.

Außer dem Menschen befallen Zecken Säugetiere, wie zum Beispiel Rehe, Füchse, Mäuse, Ratten. Sie klammern sich fest und suchen einen für sie geeigneten Platz am Körper des Befallenen. Dabei können sie verschiedene Krankheitserreger übertragen. In Europa übertragen die Zecken vor allem die Borrelliose und die Hirnhautentzündung (FSME, = Frühsommer-Meningoenzephalitis). Die Borrelliose wird durch ein Bakterium, die FSME-Erkrankung durch einen Virus verursacht. Beide Infektionen können zur Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns, der Nerven und des Rückenmarks führen. Die Entzündung der Nerven können Lähmungen verursachen, bei der Borrelliose kann es zudem zu weiteren Erkrankungen der Gelenke, des Herzens und der Haut kommen.

Um eine Hirnhautenzündung (FSME) vermeiden zu wollen, nützt das schnelle Entfernen der Zecke nichts: Das Hirnhautentzündung auslösende Virus wird bei Beginn des Saugaktes übertragen, da es sich im Speicheldrüsensekret der Zecke befindet. Die FSME-Erkrankung beginnt vielfach wie eine Sommergrippe, mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Zeckenstiche bleiben häufig unbemerkt. Bei einem Arztbesuch sollten Patienten daher von ihren Aktivitäten im Freien berichten.

Die Borrelliose-Zecke sollte möglichst rasch entfernt werden; bei der bakteriellen Zeckeninfektion durch Borrelliose befindet sich der Erreger im Darminhalt der Zecke, der erst nach Ende des Blutsaugaktes entleert wird. Deshalb kommt es, um eine Infektion zu vermeiden, hier auf eine schnelle Entfernung an.

Eine ringförmige über Handflächen große Rötung der Haut um die Einstichstelle oder an anderen Körperstellen kann auf den Beginn einer Borrelliose-Erkrankung deuten. Diese Rötung tritt jedoch nicht immer auf. Sollte man bei sich eine solche Rötung bemerken, rät das Gesundheitsamt, umgehend seinen Arzt aufzusuchen.

Die Zecke ist sofort zu entfernen. Man sollte sie so nah wie möglich an der Haut mit einer Pinzette (Zeckenzange) oder mit den Fingernägeln fassen. Die Zecke sollte dann vorsichtig gelockert und langsam, mit leicht drehenden Bewegungen, nach oben herausgezogen werden. Wichtig ist, die Zecke bei diesem Vorgang nicht zu zerdrücken.

Einen gewissen Schutz vor Zeckenstichen bieten insektenabweisende Mittel und geschlossene, Arme und Beine bedeckende Kleidung. Zeckenstiche lassen sich jedoch damit nicht verhindern. Daher sollte man seinen Körper nach einem Aufenthalt in der Natur immer nach Zecken absuchen.

Gegen die Erreger der FSME kann man sich impfen lassen. Kinder über 14 Jahren und Erwachsene können bis maximal 96 Stunden nach einem Zeckenstich in einem Endemiegebiet noch durch eine Passiv-Impfung geschützt werden. ( Nähere Einzelheiten sind beim Impfarzt oder im Gesundheitsamt zu erfragen).

Bislang kein FSME-Fall

Im Raum Schleswig-Holstein ist übrigens bislang noch kein Fall von FSME registriert worden, dagegen ist im Süden und Südosten Deutschlands aber mit einer erhöhten Infektionsgefahr zu rechnen.

Weitere Informationen gibt es beim Gesundheitsamt Lübeck unter den Telefonnummern 122-53 65, 122-53 67 und 122-53 68.

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