Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 22. Juli 2003

Ein Stadtspaziergang für Frauen

LTSund Frauenbüro erarbeiteten einen besonderen Rundgang

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Ein Rundgang für Frauen? - Susanne Klatt aus Travemünde, Kerstin Langhoff, Ann-Kristin Fischer aus Lübeck und die Oldenburgerin Beate Ciezki sind dabei; Fotos (4): N. Neubauer

Die Lübeck und Travemünde Tourist-Service GmbH entdeckt das weibliche Geschlecht. Mit Angeboten wie `Ladies Fun' oder `Ladies Art' zum Beispiel bewirbt die LTS seit gut zwei Jahren Touristinnen. `Frauen sind eine sehr wichtige Zielgruppe im Tourismus', erläutert Andrea Gastager, Marketingleiterin der LTS, dieses relativ neue Engagement. Das weibliche Geschlecht unternehme mit Vorliebe Städtereisen und es entscheide zumeist auch, wohin die Reise der Familie geht. Letzteres belegen Studien der Trendforscherin Faith Popcorn, demzufolge 80 Prozent der Reiseentscheidungen Frauen treffen. `Man muß ein Augenmerk darauf legen, Frauen anzusprechen', meint Gastager daher.

Das ist auch das Ansinnen des städtischen Frauenbüros. So haben sich LTSund Frauenbüro vor knapp zehn Monaten zusammengetan und die Gruppe `Roter Teppich' ins Leben gerufen. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein lockerer Zusammen-schluß von 15 Frauen aus unterschiedlichen Bereichen: Kunsthandwerkerinnen, Unter-nehmerinnen, Angestellte der Hansestadt und Kulturschaffen-de sind dabei. Sie alle wollen Frauen den roten Teppich in Lübeck ausrollen. `Uns liegt am Herzen, interessante Orte in der Stadt attraktiv darzustellen', sagt Frauenbeauftragte Gisela Heinrich, nicht nur für Touristinnen, sondern auch für Lübeckerinnen. `Sie haben auch für Lübecker Bürgerinnen einen hohen Wert.

So erarbeitete die Gruppe einen Stadtspaziergang für Frauen durch die Lübecker Altstadt. Die SZ hat den Rundgang einmal getestet und die verschiedenen Stationen abgelaufen.

Los geht es mit Maria, das heißt mit der Bronzeskulptur `Maria Magdalena' von der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith, die im Hof des Kulturforums Burgkloster zu finden ist. Zum Hof gelangt frau über die Große Burgstraße, am Landesamt für soziale Dienste vorbei, noch vor dem Burgtor geht links ein kleiner Weg zu einem Parkplatz, dem Jugendzen-trum und eben zum Hof ab. Dort steht `Maria Magdalena', fast ein wenig unscheinbar. Die Skulptur übrigens ist als Würdigung der Schutzheiligen gedacht, der das Kloster geweiht war. Geschaffen hat sie die 1954 in Nürnberg geborene Kiki Smith.

Auf den Spuren einer weiteren interessanten Persönlichkeit geht es weiter: Direkt am Burgtor, dort wo heute Ruth Löbe Teppiche mit Bildmotiven webt, (Große Burgstraße 5) wohnte die mütterliche Freundin Thomas Manns und Schriftstellerin Ida Boy-Ed (1852-1928), die ihrer Nachwelt eine beachtliche Zahl an Romanen und Erzählbänden hinterließ - zu den bekanntesten zählt `Der königliche Kaufmann - Hanseatischer Roman'.

Oase der Ruhe

Der Spaziergang führt zurück in Richtung Innenstadt zum Heiligen-Geist-Hospital. Bis in der Sozialeinrichtung allerdings wieder der über die Grenzen Lübecks hinaus bekannte Weihnachtsmarkt stattfindet, müssen sich Besucherinnen noch etliche Wochen gedulden. Wer kurz verschnaufen möchte, macht einen Abstecher in die Bürgergärten (Eingang gegen-über vom Kartoffelkeller am Koberg/Königstraße. Wird nicht gerade irgendwo saniert, eröffnet sich hier eine Oase der Ruhe: Blumen, Wasserspiele und Skulpturen. Kunstinteressierte spazieren weiter die Königstraße entlang ins Museum Behnhaus/Drägerhaus (montags geschlossen!), um Werke von Johann Friedrich Overbeck, Caspar David Friedrich, Max Slevogt und Evard Munch anzuschauen.

Kaffeedurst? Wer ihn nicht aufschieben kann, kehrt in das Café der `Gemeinnützigen' ein. Weiter geht es die Königstraße entlang, links ab in die Glockengießerstraße, vorbei am Günter Grass-Haus, das Frauen ein anderes Mal besichtigen sollten, denn es liegen noch viele Stationen vor ihnen. Nach wenigen Schritten erreicht frau ein weiteres Idyll mitten im Zentrum Lübecks: den Füchtingshof. Die im 17. Jahrhundert gebaute Anlage, in der Witwen von Kaufleuten und Kapitänen untergebracht waren, ist liebevoll bepflanzt.

Auch wenn die Glockengießerstraße im weiteren Verlauf Richtung Kanal zum Schlendern verleitet - Rosemarie Bouteiller hat hier ihr Atelier Eigenart, Lachmann's Goldschmiede und das Kleine Gewandhaus sind ebenfalls in der Straße - Eile ist geboten. Über die Straße Tünkenhagen führt der Spaziergang weiter in die Hundestraße, vorbei am Schornsteinfegergang, am Weintraubengang, am Vereinigungsgang bis frau wieder die Königstraße erreicht.

Das nächste Ziel ist die Galerie-Werkstatt von Designerin und Goldschmiedin Caroline Rügge in der Fleischhauerstraße 63, die in der Regel mittwochs und freitags von 11 bis 18 Uhr, sonnabends von 11 bis 14 Uhr geöffnet ist (bis zum 29. Juli ist Caroline Rügge allerdings im Urlaub). In die Galerie einmal hineinzuschauen lohnt sich, denn im Hinterhof befindet sich ein Garten, der im japanischen Stil angelegt ist. Kurz ausruhen, plaudern, schauen und weiter geht es zum Aegidienhof: Einst Wohnsitz der Beginen, einer religiösen Lebensgemeinschaft alleinstehender Frauen im Mittelalter, ist der Komplex heute eine hochgelobte Wohnanlage.

Zwei Stationen fehlen noch: der Frauenstift St. Annen, in dem die erst vor wenigen Wochen eröffnete Kunsthalle St.Annen untergebracht ist, und ein Bummel in einer der schönsten Einkaufsstraßen Lübecks, der Hüxstraße. Die SZempfiehlt allerdings, den Museumsbesuch nicht abgekämpft abzuhaken, sondern auf den kommenden Tag zu verschieben - die Kunsthalle St. Annen ist es wert.

Alles in allem lohnt sich der Spaziergang. Wer in Ruhe durch die Altstadt schlendern möchte, einen Kaffee- und Museumsbesuch und einen Bummel durch die Geschäfte einplant, sollte sich einen Tag Zeit nehmen.

Bei dem Spaziergang für Frauen soll es nicht bleiben. `Roter Teppich' erarbeitet für den Winter 2004 Aktionswochen fürs weibliche Geschlecht.

In `Lübeck rundum', Seite 43, ist der Spaziergang aufgeführt. Das Heft gibt es in den Touristbüros für 2,90 Euro.

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