Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 26. August 2003

Geschichte zum Anfassen

In Kücknitz entsteht ein original Wikinger-Langhaus - Jeder kann mitbauen

Schon von weitem ist es sichtbar: Das neue Wikinger-Lang-haus "Elisenhof" nimmt auf dem Bauspielplatz Roter Hahn langsam Form an. Knapp fünf Meter hoch ragt der Dachfirst gen Himmel. Und mit einer Grund-fläche von mehr als fünf Metern Breite und einer Länge von über 17 Metern überspannt der Nach-bau eines vor rund 1000 Jahren gebauten Hauses fast die gesamte Breite des Bauspielplatzes.

Basierend auf einem Original-fund in Elisenhof bei Tönning an der Nordsee wird hier zur Zeit bauartgleich mit Häusern aus Haithabu das Wikingerhaus nach- gebaut. "Wir rechnen mit einer Bauzeit von rund einem Jahr", so Jörn Puhle vom Bauspielplatz. Spätestens im kommenden März soll das Haus fertig sein. Wie schon damals werden dann Mensch und Tier hier Tür an Tür wohnen: Rund zwei Drittel werden als Wohn- und Arbeitsbereich dienen, in dem unter anderem eine Gruppe des benachbarten Kindergartens Dreifaltigkeit ein neues zu Hause finden soll. Gleich nebenan ziehen die Pferde in ihren neuen Stall ein.

Doch bis aus den lübschen Eichenstämmen das fertige Haus gezimmert ist, wird noch viel Muskelkraft benötigt. Tatkräftig unterstützten 19 Jugendliche aus aller Welt im Rahmen eines Work-Camps das aufwendige Projekt. Für drei Wochen hatten sich die 16- bis 22jährigen im Juli dem Sägen, Hämmern und allen anderen anfallenden handwerklichen Tätigkeiten verschrieben. "Die Kommunikation war nicht immer einfach", so Puhle. Die Jugendlichen kamen aus Serbien, Litauen, Rußland, Finnland, Frankreich, Spanien, Italien, den Vereinigten Staaten und Deutschland. "Nicht alle sprachen englisch, aber notfalls ging es auch mit Händen und Füßen", erklärt Puhle mit einem Lächeln. Organisiert und begleitet wurde das Camp vom Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst, der weltweit im Rahmen der Völkerverständi-gung die unterschiedlichsten Projekte anbietet. Neben der harten Arbeit lernten die Jugendlichen aber auch Lübeck und Umgebung kennen, nahmen beispielsweise an Stadtführungen teil oder besuchten die Sand World.

Am Wikinger Langhaus mitbauen kann übrigens jeder. "Ob Kindergartengruppe, Schulklasse, Pfadfinder oder auch Erwachsene, alle sind willkommen", erklärt Puhle. Für jede Altersklasse sei das passende Programm mit entsprechenden handwerklichen Arbeiten im Angebot. So findet beispielsweise demnächst eine Berufsorientierungswoche für behinderte Jugendliche statt.

"Wir freuen uns über jede Hilfe, und das Wichtigste: alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen dabei noch etwas, denn bei uns wird Geschichte erlebbar", so Martin Ehlers, der als Bauherr des Hauses die einzelnen Arbeiten koordiniert. Begeistert von der Arbeit auf dem Bauspielplatz ist deshalb auch Jochen Kummerow. Der gelernte Kupferschmied zeigt den Kindern, wie aus Stahl mit Hilfe von Feuer, Amboß und Hammer sowie viel Muskelkraft beispielsweise Türbeschläge entstehen. "Mein Beruf ist fast ausgestorben, doch hier kann ich mein Wissen weitervermitteln und die Kinder sind begeistert", so der rüstige Rentner, der jahrelang bei der Flenderwerft arbeitete.

Finanziert wird der Bau des Langhauses durch Spenden. So unterstützt die Umweltlotterie Bingo Lotto das Projekt mit 50 000 Euro und AGIL - das Büro für angewandte Archäologie aus Lüneburg - die Arbeiten mit 7000 Euro. Der städtische Haushalt bleibt somit unbelastet.

Infos zu den unterschiedlichen Angeboten des Bauspiel-platzes sind bei Jörn Puhle unter (0179) 39 31 900 erhältlich.

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