Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 26. August 2003

Stadt-Bewußtsein neu entwickeln

Zu "Es fehlt an Verkaufsfläche", SZ vom 29. Juli und Fraktionsbeitrag der FDP vom 5. August

Warum ist das Kreativpotential unserer Abgeordneten so begrenzt. Herr Schalies greift in seinem Beitrag altbekannte Vorstellungen zur Verbesserung der Situation des Einzelhandels auf. Im Wesentlichen konzentriert sich die Diskussion immer wieder auf die Verkehrssituation der Innenstadt.

Auch wenn intelligente Veränderungen der Verkehrssituation die Entwicklung der Innenstadt fördern können, muß der Schwer-punkt künftiger Überlegungen wirklich substanzielle Ziele verfolge. Hierzu gehört zu aller erst die unvoreingenommene Kenntnisnahme des gegenwärtigen Er-scheinungsbildes der Innenstadt mit seinem herausragenden und seinen nachteiligen Seiten. Emp-fehlenswert ist auch der vergleichende Blick über Stadt- und Landesgrenzen hinaus.

Dabei würde auffallen, daß auch wesentlich kleinere Städte in Süddeutschland, zum Beispiel Heidelberg, Offenburg, Zwolle/ Niederlande, Brügge/Belgien und Parma/Italien, bei wesentlich größeren verkehrsberuhigten Innenstadtbereichen ein deutliches Mehr an Lebendigkeit und Lebensfreude ausstrahlen als das doch ebenso schöne Lübeck.

Schauen wir aber nach Lübeck: Die Breite Straße im beruhigten Bereich ist ein unwirtlicher Ort mit weitgehend erlebnisarmen Laden- und Kaufhallenfronten, einfältiger Gastronomie und stupider Gestaltung. Dro-Märkte allerorten beschädigen ebenfalls das Innenstadtambiente.

Auf der Seite der Positiva ist zweifellos die Hüxstraße zu nennen, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Noch schöner wäre sie, wenn der Straßenraum durch Kunden und Besucher freizügig genutzt werden könnte. Das läßt sich erahnen, wenn man in der Pfaffenstraße sitzt. Hier wird Altstadtflair geboten. Auch die Glockengießerstraße gehört zu den aufstrebenden Zielen für Einheimische und Touristen. Mit dem Günter Grass-Haus und den vielfätigen Geschäften (...) hat diese Straße viel zu bieten.

Was ist nun zu tun, um Stadt und Einzelhandel zu fördern? Wetter und Finanzen lassen sich nicht oder nur geringfügig beeinflussen. Die wesentliche Verände-rung müßte daher zunächst im Stadt-Bewußtsein der Bürger und Politiker stattfinden. Neues und Kreatives fördern, gute Ansätze professionell publik machen, auch außerhalb Lübecks. Das Hauptau-genmerk muß auf dem öffentlichem Straßenraum liegen. Verträgliche Aktivitäten aller Art sollten dabei Ermutigung und Unterstützung erfahren. Schließ-lich sollte besonderes Bemühen auf die Attraktivität der Stadt für junge Leute gelegt werden. Die überwiegende Mehrzahl der Abiturienten verläßt Lübeck - und kehrt selten zurück.

Kurz: mit Verbesserungen für den rollenden und ruhenden Ver-kehr ist es nicht getan.

Dr. R. Becker-Ritterspach,

Lübeck

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