Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 26. August 2003

Statt Parkplätzen den Altstadtflair fördern

Zu: "Parken zum Nulltarif", SZ vom 19. August

All denen, die immer noch mehr Parkraum in der historischen Altstadt, immer noch günstigere Parkgebühren fordern, sei ins Stammbuch geschrieben: "Der Verbraucher ist bereit, mit verkehrlichen Hindernissen zu leben, wenn er weiß, daß sich das Ziel lohnt." Für eine attraktive Innenstadt nehme der Kunde sogar Staus und Fußwege in Kauf.

Lübecks Problem aber ist: Die Innenstadt setzt zu wenig Glanzlichter, der Verbraucher findet kein besonderes Angebot, so zitieren die Lübecker Nachrichten am 1. November 2002 Dr. Rainer Lademann, den Chef des gleich- namigen Unternehmens, das für das KWL die Studie Perspektiven der Einzelhandelsentwicklung erarbeitet hatte. Der Satz taucht übrigens in dem Gutachten nicht auf. Zufall? Absicht?

Die Innenstadt setzt zu wenig Glanzlichter, der Verbraucher findet kein besonderes Angebot, dieser Satz dürfte sich eindeutig auf den Einzelhandel beziehen.
Politik und gewisse Kreise der Wirtschaft sind drauf und dran, das zu verspielen, was Lübeck gegenüber konkurrierenden Einkaufsstädten auszeichnet: das besondere Flair, Einkaufen in relativer Ruhe (noch wenig Autoverkehr).

Nicht der Verkehr in der Altstadt ist das Problem, das Zitat macht sehr deutlich, wo die Schwäche des Einkaufsstandortes Altstadt liegt.

Anstatt dafür zu sorgen, daß der kleine individuelle oft inhabergeführte Einzelhandel (Lübecks Stärke) gefördert wird, anstatt zu versuchen für leerstehende Geschäfte neue Partner zu finden, die Waren anbieten, die es nicht überall zu kaufen gibt, stattdessen wird die Ansiedlung von Magneten - also von großen Verkaufsmaschinen - propagiert. Die gibt es in jeder Großstadt! Mit dieser Strategie wird sich Lübecks Altstadt, die Einkaufsstadt, sehr bald nicht mehr unterscheiden von irgendwelchen Dutzendstädten ohne Charme und Flair.

Das tut den Menschen gut, der Altstadt, dem Denkmal und der Einkaufsstadt auch:

* den kleinen individuellen Einzelhandel stärken, alte Zöpfe abschneiden!

* Kein Durchgangsverkehr (Schüsselbuden/Schmiedestraße), der kann nur schaden.

* Keine Kurzzeitparkplätze, weder in den Zufahrtsstraßen, noch in den Straßen, in denen gewohnt wird. Sie verursachen nur den berüchtigten Parksuchverkehr.

*Keine weiteren Parkplätze oder Parkhäuser: je mehr Verkehr, umso weniger macht das Flanieren, der Einkaufsbummel, Spaß!

* Die Ecke An der Untertrave/ Marlesgrube weiterhin geschlossen halten, damit auch hier Durch-gangsverkehr vermieden wird und eine Uferpromenade zur ganzjährigen Nutzung entstehen kann.

* Anwohnerparkrechte nicht antasten, den Wohnort Altstadt stärken.

* Die Fahrradstraße zur wirklichen Fahrradstraße machen, quatiersfremde Kraftfahrzeuge rigoros verbannen.

*Keine zeitweilig kostenlosen Parkplätze, weil dadurch die Betreiberin KWL noch eher in die Pleite getrieben wird. *Grundsätzlich Parkplatzgebühren nicht senken, sie sind angemessen.

* die Aufenthaltsqualität verbessern (Sitzbänke, ruhige Ecken, Grün, Freiflächen für Kinder und Jugendliche)

So wie die Altstadt heute über die Brücken erreichbar ist, ist sie es schon seit gut 100 Jahren: warum also ständig die angeblich schlechte Erreichbarkeit herausstellen? Wer das tut schadet Lübeck, dem Weltkulturerbe und dem Einzelhandel!

Hans Meyer, Lübeck,

Initiative für die Altstadt

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