Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. April 2019

Ausgabe vom 13. Januar 2004

Editorial

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Liebe Leser, liebe Leserinnen, Sie sind wirklich tapfer. Am Montag fiel Ihnen eine Zahnfüllung raus und Sie zahlten zum ersten Mal die zehn Euro Praxisgebühr. Am Dienstag quälten Sie sich fiebernd, mit laufender Nase und nicht enden wollenden Hustenanfällen zum Hausarzt, der Ihnen, statt eines langen Rezeptes, ebenfalls zehn Euro abknöpfte und Sie mit dem Rat nach Hause schickte, sich ins Bett zu legen, heiße Zitrone zu trinken und Kamille zu dampfen. "Kurieren Sie sich mal richtig aus", rief er Ihnen hinterher.

Der Mann hat Witz. In Gedanken an Ihren Chef entschieden Sie kurzerhand, sich vom Apotheker um die Ecke ein Paket aus allerlei Pastillen, Dragees und Pillen zusammenstellen zu lassen: Zwanzig Euro blätterten Sie auf den Tresen. Aber was sind schon zwanzig Euro, wenn es um Arbeitsplatzsicherung geht? Sie schluckten diese bittere Pille und nun sitzen Sie mit leerer Geldbörse und mit einer nur gering triefenden Nase wieder am Schreibtisch, hauen in die Tasten und lächeln Ihrem Chef entgegen. Der wird es Ihnen schon danken, sich freuen über das Opfer, daß Sie bereit sind zu bringen für ihn und die Firma. Das macht noch nicht `mal der Kanzler. Er lag flach,
kurierte sich aus. Vermutlich mit heißer Zitrone und Kamilledampfbad.

Bleiben Sie tapfer und lassen Sie es sich gutgehen,

Ihre SZ-Redaktion

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