Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 18. August 2019

Ausgabe vom 12. Mai 1998

Rätselraten und Staunen

Stadtbibliothek erhält wertvolle Bücher und Handschriften zurück

"Ein Gefühl wie Weihnachten" sagte Dr. Jörg Fligge:Knapp hundert wertvolle Stücke der Stadtbibliothek bekam er vergangene Woche in Bonn vorgelegt. Die Außenminister Wardan Oskanjan (Armenien) und Klaus Kinkel präsentierten 350 in Eriwan eingelagerte alte Bücher und Handschriften, die 1946 von der damaligen UdSSR erbeutet wurden - und den Eigentümern Lübeck, Hamburg und Bremen nun wieder über-eignet werden.

Nach Rückführungen aus der DDR, aus Rußland und Georgien ist dieses der vierte "Transport" von 1944 in Sachsen-Anhalt ausgelagerten Raritäten von unschätzbarem kulturellen Wert. Die Kostbarkeiten werden in etwa einer Woche in der Hansestadt erwartet. Dieser Transport ist zwar der kleinste, aber dafür "eine geballte Ladung von wichtigen Stücken", so Fligge.

Lübecks Bibliotheksdirektor hat noch nicht alle Bücher gesehen, und manche verstümmelte Angabe gibt hinsichtlich des Titels noch Rätsel auf. Aber das meiste ist benannt - und versetzt die heimische Fachwelt in Vorfreude.

Die älteste Handschrift

Darunter ist mit einem "Missale", einer Pergamenthandschrift aus dem 12. Jahrhundert, das älteste Stück aus Lübecks Gründungsgeschichte - gefolgt von einigen weiteren liturgischen Handschriften. Einzelne historische und niederdeutsche Manuskripte wie Sachsenspiegel und Slavenchronik belegen frühe Kolonisierung und Christianisierung. Unter den Musikalien sind Autographe von Oratorien des 18. Jahrhunderts sowie einer "Sinfonia pathetica" (1841) des Lübecker Komponisten Gottfried Herrmann:Gerade diese Partituren werden nicht nur wieder der Forschung zugänglich gemacht, sondern auch möglichst in Konzerten erklingen.

Im Herbst soll eine Ausstellung die Schätze präsentieren, die alle in gutem Zustand sind.

Bislang haben rund 6000 von den in die UdSSR verbrachten 28 000 Bücher und Handschriften den Weg zurückgefunden. Fligge hofft aber angesichts der guten Zusammenarbeit zwischen Bonn und Eriwan, daß es noch viele "Heimkehrer" aus dem Osten gibt.Güz

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