Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 26. Juni 2019

Ausgabe vom 12. Mai 1998

Zerstörung einer stadtnahen Enklave

Zum Bau des Wohnparks Priwall

Auf dem Priwall entsteht derzeit der "Wohnpark Priwall" , das heißt rund 250 Wohnungen, die als altersgerechte Wohnungen geplant sind. Fertiggestellt sind derzeit etwa 125 der 150 Wohnungen des ersten Bauabschnitts. Der Bezug erfolgt schleppend. Trotzdem sollen zusätzlich zu den derzeit sechs Komplexen des ersten Bauabschnitts vier weitere Blocks erstellt werden.

Zu dem Grundstück, auf dem die vier Blocks entstehen sollen, sind wir direkte Nachbarn. Wir haben also ohne Frage auch ein persönliches Interesse an dem, was auf diesem Nachbargrundstück geschieht.Auf dem zu bebauenden Grundstück befinden sich Gebäude des ehemaligen Flughafen, die als technische Baudenkmäler zusammen mit den bereits beim ersten Bauabschnitt abgerissenen Gebäuden unter Ensembleschutz standen beziehungsweise stehen. Die Gebäude wurden vom Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks als Ausbildungsstätte genutzt und mit öffentlichen Geldern renoviert. Der Landesinnungsverband hat Grund und Gebäude vom Bundesvermögensamt erworben. Nach Auszug der Dachdecker stand das Grundstück erneut zum Verkauf. Ob oder wann es an den Bauherrn verkauft worden ist, können wir nicht sagen.

Die geplante Bebauung ist völlig ortsunüblich und am Bedarf vorbei. Bei einer sowieso schon alterslastigen Bevölkerungsstruktur bedingt durch die isolierte Lage vor der Wiedervereinigung, kam es durch die Seniorenresidenz Rosenhof zu einer extremen Überalterung dieses Stadtteils.

Die Infrastruktur dieses durch die Insellage geschlossenen Systems ist jetzt schon überlastet (Problem "Fähre": extreme Zunahme des Durchgangsverkehrs ohne eine wirklich wirksame Verkehrsberuhigung).

Die Naturbelassenheit dieser Enklave muß allen Bürgern als Naherholungsgebiet unbedingt erhalten bleiben. Im Interesse aller Lübecker Bürger halten wir eine Überplanung des Priwall mit der Erhaltung des einzigartigen Charakters dieser Halbinsel für unerläßlich. Wir haben festgestellt, daß die Kreativität und Initiative der Priwallbewohner diesbezüglich sehr wohl interessante und machbare Lösungen hervorbringt. Daher ist es nur zu sinnvoll, die Priwallbewohner bei der Überplanung mit einzubeziehen, denn keiner kann die Verhältnisse hier besser beurteilen als die, die hier wohnen. Auf dem Priwall soll wieder eine gesunde Mischung aus jung und alt zusammenleben

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