Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 20. Juli 2004

Kranken Baum gefällt

Ersatz für Winterlinde am Buddenbrookhaus soll im Herbst gepflanzt werden

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Scheibe für Scheibe sägte Ricardo Krumm vom Bereich Stadtgrün die Linde von oben nach unten ab. Das Bild rechts zeigt, wie hohl der Baum bereits war.; Fotos: Neubauer

Schwungvoll läßt Baumkontrolleur Heiko Fröhlich den Gummihammer gegen die rund 100 Jahre alte Linde in der Mengstraße gegenüber dem Buddenbrookhaus prallen. Dumpf klingt es. Baumkontrolleur Heiko Münstermann setzt den acht Millimeter dicken Schlangenbohrer an. Aus dem Loch rieseln Holzspäne, die trocken und bröselig sind. Ein weiteres Indiz dafür, daß der Baum im Innern vermutlich mit dem holzzersetzenden Brandkrustenpilz befallen ist. Alle Zeichen deuten darauf hin, daß der Baumstamm innen hohl und die Winterlinde schwer krank ist - trotz ihrer in voller Pracht ausgebildeten blätterreichen Krone.

Bereits mehrere Male in den vergangenen Monaten haben die Baumkontrolleure des Bereichs Stadtgrün und Friedhöfe die Linde auf ihre Standfestigkeit hin überprüft. Beim Ortstermin am 9. Juli mit dem Baumsachverständigen des Bereichs, Heinrich Paulsen, steht es dann fest: Die Linde muß gefällt werden, die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gewährleistet, die Umsturzgefahr groß.

Zweimal im Jahr kontrollieren die sieben städtischen Baumkontrolleure die rund 40 000 Bäume der Stadt. Im Baumkataster wird der Lebenslauf eines jeden Baumes festgehalten - wie er sich äußerlich entwickelt und ob es Auffälligkeiten gibt. "Dabei achten wir auf die Körpersprache des Baumes", erklärt Paulsen. "Beispielsweise auf Verfärbungen, morsche Stellen oder Parasitenbefall." Erst wenn eindeutige Zeichen auftreten, die vermuten lassen, der Baum ist ernster erkrankt, wird gebohrt. "Wir wollen dem Baum nicht unnütz verletzen, sondern versuchen jeden Baum möglichst lange am Leben zu erhalten." So wird nicht immer gleich der Schlangenbohrer angesetzt. "Beim Teredo-System wird ein nur winziges Loch von 0,8 Millimeter Durchmesser gebohrt, um eine Holzprobe zu entnehmen", fährt Paulsen fort. Anhand der Struktur und Farbe der Holzspäne lassen sich beispielsweise Krankheiten erkennen, in welcher Tiefe die Schädigung sitzt oder wo ein Hohlraum anfängt beziehungsweise wie groß er ist. Erst bei gravierenden Schädigungen, wie sie jetzt auch bei der Linde aufgetreten sind, wird über massive Maßnahmen entschieden. "Nicht immer wird gleich gefällt", betont Paulsen. "Teilweise ist es möglich, die Lebensdauer eines Baumes durch das Herabsetzen der Krone zu verlängern."

Für die Winterlinde in der Mengstraße ist diese Art der Rettung nicht möglich. Zu groß war der Hohlraum, die Gefahr, daß der rund drei Tonnen schwere Baum umstürzt, war zu stark. Deshalb wurde die Linde vergangene Woche gefällt. Trotz des geltenden Landesnaturschutzgesetzes, daß ein Fällen vom 15. März bis 1. Oktober untersagt. "In diesem Falle gibt es aufgrund der aktuten Gefahr eine Ausnahmegenehmigung", so Paulsen. In den nächsten Wochen wird mit einem speziellen Gerät das etwa 1,50 Meter tiefe Wurzelwerk herausgefräst und der Standort wieder hergerichtet. Voraussichtlich noch in diesem Herbst soll die Stelle mit einer Linde neu bepflanzt werden.

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