Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 20. Juli 2004

Nobelpreisträger, Rotspon und Musik

Warum die Hansestadt Lübeck 2010 Kulturhauptstadt werden muß

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Als Kultusminister Ute Erdsiek-Rave und Bürgermeister Bernd Saxe die Bewerbung Lübecks zur Kulturhauptstadt Europas 2010 Anfang Juli im Auswärtigen Amt in Berlin präsentierten, nannte die Kultusministerin zwölf Gründe, warum Lübeck im Jahr 2010 Kulturhaupstadt werden muß. Weil ihre Argumente ins Schwarze treffen, führt die SZsie auf:

* Weil sich in Lübeck die Geschichte der Deutschen spiegelt: in der Biographie von Willy Brandt ebenso wie im literarischen Oeuvre von Thomas und Heinrich Mann, von Erich Mühsam oder Günter Grass. Diese Geschichte ist nicht zwischen Buchdeckeln eingesperrt. Sie lebt in der Stadt und in den Menschen, im realen Raum und über das Internet auch in weltweiter Vernetzung.

* Weil die Hansestadt seit altersher multikulturell denkt und im europäisch-baltischen Raum agiert. Sie war und ist eine dynamische Metropole, die ohne eigene Weinberge Bordeaux zu Rotspon verwandelt und ohne einen einzigen Mandelbaum zur Weltstadt des Marzipans geworden ist.

* Weil sich in Lübeck, in der Metropole des Transfers und der Tore, Kaufmannsgeist mit Stiftersinn verbindet.

*Weil die Stadt Lübeck die höchste Nobelpreisträgerdichte der Bundesrepublik Deutschland hat.

Nordische Filmtage

* Weil die Lübecker die Aufforderung des Philosophen Hans Blumenberg "Warum reißen wir das Holstentor nicht ab" ganz gelassen kontern: mit einer architektonischen Synthese von alt und neu. So ist die eindrucksvolle gotische Hallenkirche St.-Petri inzwischen zu einem großartigen Laboratorium der zeitgenössischen Künste geworden. Auch das ist ein Beispiel für gelungene Lübecker Metamorphosen.

* Weil der Himmel über Lübeck die Heimat der Nordischen Filmtage ist und Lübeck der größte europäische Marktplatz des nordischen Films. Jeder braucht auch auf der Leinwand seinen Norden. Manch einer schätzt an Lübeck, wie Lars von Trier, die unmittelbare räumliche und mentale Nachbarschaft sowie die kurzen Reisewege.

* Weil an der Trave die Musik den Ton angibt: Zu dem Organisten Dietrich Buxtehude ist seinerzeit sogar Johann Sebastian Bach gepilgert. Heute lockt das Schleswig-Holstein Musik Festival - mit Sitz in Lübeck - Jahr für Jahr mehr als hunderttausend Musikfreunde in den Norden.

* Weil es in der einstigen "Königin der Hanse" viel zu entdecken gibt: den republikanischdemokratischen Geist, der den Nobelpreisträger Günter Grass ins Schwärmen bringt, die einstige Stahlkochertradition, aber auch andere geheimnisvolle Welten. Manche spielen auf den öffentlichen und privaten Bühnen der Stadt.

* Weil ein Lübecker - Johann Friedrich Overbeck - in der bildenden Kunst Deutschland mit Italien versöhnt und damit bewiesen hat, daß die Hanseaten in jeder Beziehung "über den Tellerrand gucken". So ist Lübeck mit der International School of New Media ein global player der Medienbranche und der Standort des Baltic Sea Virtual Campus.

* Weil Lübeck durch die UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet worden ist und dieses geschichtsträchtige Kapital in die Zukunft investiert.

Rebellische Frauen

* Weil zu Lübecks "geistiger Lebensform" und zu den Buddenbrooks auch rebellische Frauen gehören: Die heilige Magdalena ist die Schutzpatronin der Stadt. Hier hat die erste deutsche "Frau Doktor" gelebt - nämlich Dorothea Schlözer. Von hier aus ist Franziska zu Reventlow aufgebrochen, um in München die Königin der Bohème zu werden. Hier kann man - wie Gülcan Karahanci - als Deutschtürkin TV-Star werden.

* Weil in Lübeck an der Musikhochschule der Musikernachwuchs aus der ganzen Welt ausgebildet wird."

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