Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. April 2019

Ausgabe vom 12. Mai 1998

Das "Gesetz" und die "Gnade"

Depenau 31: Terrakotten einer Renaissance-Fassade

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Depenau 31: Attraktives Zierband aus Terrakotten

Die Terrakotten aus dem 16. Jahrhundert sind der Blickfang auf der Renaissance-Fassade des Hauses Depenau 31. Das Zierband übt jedoch nicht allein eine Schmuckfunktion aus, es repräsentiert als religiöse Allegorie Gedankengut aus der Zeit, als das Gebäude 1563/64 errichtet wurde. Die Darstellungen versuchen zum Ausdruck zu bringen, daß das Gesetz auf der einen Seite den Menschen vor Sünde und Tod nicht retten kann, die Gnade auf der anderen ihm aber ermöglicht, durch den Glauben sein ewiges Heil zu erlangen.

Das denkmalgeschützte Gebäude im südwestlichen Bereich der Altstadt wurde im Sommer 1997 nach zweijähriger Bauzeit fertigsaniert: Das Gebäude mit dem Renaissance-Treppengiebel, vis-á-vis der historischen Salzspeicher an der Obertrave und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den großartigen Renaissance- und Barockbauten in der Großen Petersgrube, stellt ein weiteres gut erhaltenes Zeugnis hanseatischer Baukultur dar. Es besteht aus einem dreigeschossigen Vorderhaus und einem zweigeschossigen Seitenflügel, ein kleiner, begrünter Innenhof erinnert an den ehemals als Werkstätte genutzten Bereich im rückwärtigen Seitenflügel.

Im Innern des Gebäudes sind das konstruktive Gerüst und die Raumstruktur des 16. Jahrhunderts erhalten, die historische Raumausstattung stammt im wesentlichen aus barocker und biedermeierlicher Zeit. Hierzu gehören im Vorderhaus unter anderem eine bemalte Holzdecke und Deckenbalken der Renaissance im ersten und zweiten Obergeschoß sowie eine ebenfalls bemalte Bohlentür zum Seitenflügel im Obergeschoß.

Während der Sanierung wurde im Seitenflügel eine reiche Ausstattung des ersten Obergeschosses mit Rokoko-Bemalung an Wänden und Decke freigelegt.

Das heutige Gebäude ist das Ergebnis der baulichen Veränderungen im Verlauf mehrerer Jahrhunderte. So wurde das ursprünglich zweigeschossige Vorderhaus im 18./19. Jahrhundert durch den Einbau eines straßenseitigen Zwischengeschosses erweitert, gleichzeitig wurde der untere Fassadenteil verputzt und die schmale und hohe

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