Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 20. August 2019

Ausgabe vom 12. Mai 1998

Die "Neue Rösterei"

Das soziokulturelle Zentrum in der Wahmstraße 43-45

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Der Innenhof in der "Neuen Rösterei"

Das Projekt: Am Anfang war der sonntägliche Frust eines emanzipierten Vaters, der geeignete Räume in der Innenstadt vermißte, in denen Kinder mit ihren Eltern die gemeinsame Freizeit gestalten können. Es gab weder ein Kinder-Kino, noch lockte ein Kinder-"Café" die kleinen Gäste; alle Einrichtungen erwiesen sich vorwiegend als erwachsenenorientiert. Das führte zur Entfaltung eigener Ak-tivitäten, die schließlich darin münde-ten, die Gebäude an der Wahmstraße 43-45 im Jahr 1994 zu erwerben. Dort sollten geeignete Räume eingerichtet werden, zur Nutzung und Entfaltung unterschiedlicher Aktivitäten.

"Ohne zu Beginn zu wissen, was wird", so Bauherrin Gunda Diercks- Elsner, begann eine zweijährige Umbau- und Sanierungsphase. Während dieser Zeit entwickelte das Projekt, dank der fast "visionären Kraft" der Bauherren, eine gewisse Eigendynamik, die aus der anfänglich geplanten Nutzung für Kinder und Eltern ein Zentrum entstehen ließ, das nun auf zirka 2200 Quadratmetern Fläche insgesamt 17 Parteien Raum für die unterschiedlichsten Nutzungszwecke bietet: schulische, soziale und kulturelle Aktivitäten sowie Raum für Einzelhandel und Gastronomie.

Die Nutzung

Gleich vor Beginn der eigentlichen Sanierung zog die Werkkunstschule ins Haupthaus ein, im Mai 1996 folgten weitere Mieter, bis zuletzt 1997 alle Räume besetzt waren. Darunter das Theater partout, die Ballettschule Johannes Kritzinger, eine Schule für Musik und Rhythmik sowie der Verein Sprungtuch e.V. als soziale Familienhilfeeinrichtung. Es entstanden Büro- räume für Greenpeace und andere Bürogemeinschaften, Therapieräume für das Forum Gesundheit, eine Medienetage und außerdem sechs kleine Wohnungen.

Im Erdgeschoß des hinteren Querflü-gels wurde ein großzügiger Veranstaltungsraum eingerichtet. Dort können auf 125 Quadratmetern Fläche Workshops, Seminare, Ausstellungen, private Feierlichkeiten sowie Firmenversammlungen stattfinden. Der Übungsraum der Ballettschule im zweiten Obergeschoß kann ebenfalls stundenweise angemietet werden.

Neuer, beliebter Treffpunkt in der Altstadt und gastronomischer Anziehungspunkt für jung und alt in der "Neuen Rösterei", wie nun der Name des Zentrums in der ehemaligen Kafferösterei und Teehandlung A. Behn & Sohn lautet, ist die umgebaute "Remise" im Innenhof. Hier, im Vereinslokal des Fördervereins "Neue Rösterei e.V.", können Schüler und Lehrpersonal, Mieter, Gäste und Besucher ab morgens um 10 Uhr frühstücken - und bis zum späten Abend gastronomisch-kommunikativen Aktivitäten nachgehen.

Für die Bauherren und Projektbetreuer heißt es dennoch, weitere Zukunftsperspektiven anvisieren. "Die Kinderbetreuung liegt uns noch sehr am Herzen", erläutert der Projektleiter des Zentrums, Jürgen Hensen. Ein weiteres Projekt befindet sich zur Zeit ebenfalls in Vorbereitung, so Hensen; es bietet Theateraktivitäten für Senioren an.

Die Sanierung

"Eine typisch wilhelminische Protzerei", charakterisiert der beauftragte Architekt, Thomas Schröder, das 1897 erbaute Gebäude, "ähnlich den Hamburger Speicherhäusern, woher die Firma Behn ihre Waren bezogen hat". Bis zu ihrer Veräußerung in den 50er Jahren nutzte die Kaffeerösterei ihre Gebäude. Die Gebäude Wahmstraße 43-45 waren zuletzt Eigentum der Grundstücks-Gesellschaft "Trave"-mbH. Darin befanden sich die Metallbaufirma Glogau, die Firma Stempel Ludwig, eine Schulungsabteilung der Post und Lagerräume für Wassersportler, außerdem besaßen zwei Künstler hier ihre Atelierräume. Und auch der Hausmeisterwohnte dort. Das Gebäude ist als einfaches Kulturdenkmal eingestuft.

1995 war Sanierungsbeginn. Die Bausubstanz befand sich in einem recht guten Zustand, im wesentlichen mußte die gesamte Haustechnik erneuert, ein Lift sowie eine zweite Außentreppe im Innenhof eingebaut und Wärme-dämmungsmaßnahmen vorgenommen werden. Ein wichtiger Aspekt und ein großer Gewinn für die weitere Nutzung war die Aufgabe der elf Pkw-Stellplätzen im Hof, die sich durch die gute Anbindung an die

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