Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. April 2019

Ausgabe vom 12. Mai 1998

Wasserstoffbusse sind nicht wirtschaftlich

SPD

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Ulrich Pluschkell, informierte sich auf Einladung des Deutschen Wasserstoff-Verbandes während der Hannover-Messe über den aktuellen Stand der Entwicklung von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Nach zahlreichen Gesprächen mit Vertretern aus Forschung und Wirtschaft zieht er folgendes Resümee: Die Zukunft liegt für städtische Nutzfahrzeuge im Brennstoffzellenbetrieb auf Wasserstoffbasis. Prototypen zeichnen sich durch Null-Schad-stoff-Immission und einen Kraftstoffverbrauch von gut sechs Litern Wasserstoff pro Kilometer aus. Die Reichweite liegt bei rund 250 Kilometern. Die Serienreife wird jedoch frühestens im Jahr 2005 erreicht werden.

Über die voraussichtlichen Herstellungs- und Betriebskosten können derzeit noch keine annähernden Aussagen getroffen werden.

Das Modellprojekt Flughafen München mit Wasserstoffverbrennungsmotoren zeichnet sich durch drastisch reduzierte Schadstoffimissionen aus. Nachteilig sind jedoch die geringe Reichweite von 150 Kilometern und der relativ hohe Kraftstoffverbrauch von 17 Litern Wasserstoff pro Kilometer.

Das von der Industrie verfolgte Konzept der Direkt-Me-thanol-Brennstoffzelle für den Pkw-Antrieb ist ein ökologischer Irrweg, da hier sowohl bei der großindustriellen Herstellung von Methanol als auch beim Motorbetrieb das klimagefährdende Kohlendioxid und andere Schadstoffe freigesetzt werden. Wasserstofftechnologie ist heute bei weitem noch nicht konkurrenzfähig gegenüber konventioneller Energietechnik. Problematisch ist vor allem die für den Kraftfahrzeugbetrieb erforderliche industrielle Großproduktion von Wasserstoff.

Die Einführung der Wasserstofftechnologie macht jedoch nur dann Sinn, wenn der Wasserstoff durch regenerative

Energien (Sonne-, Wind- oder Wasserkraft) oder als industrielles Nebenprodukt erzeugt wird. Hinzu kommen enorme Energieverluste durch Komprimierung, Verflüssigung, Betankung und Speicherung.

Nach Auffassung des Umweltbundesamtes wird Wasserstoff innerhalb der nächsten 20 bis 25 Jahre nicht als wirtschaftliche und wettbewerbsfähige Energiequelle für Straßenfahrzeuge zur Verfügung stehen.In diesem Zusammenhang mahnt Pluschkell das von der Lübecker Bürgerschaft bereits am 19. Juni 1996 geforderte Konzept für die Umstellung des städtischen Fuhrparks auf Erdgasbetrieb an, das nach seiner Auffassung absichtlich durch die Stadtwerke verzögert wird.

V.i.S.d.P.: Dietrich Szameit

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